Beziehungsnetze für alle Frauen

von Heidi Lammel

Die Kunst, Beziehungsnetze zu knüpfen, wird heute "Networking" genannt. Networking ist eine wertvolle Ressource, um die kleinen und grossen Probleme des Alltags zu bewältigen.
 
 

Das "Networking", wie es im angelsächsischen Raum genannt wird, bezeichnen wir als "Beziehungsnetze knüpfen". Näher betrachtet, ist es wohl eine der wichtigsten Fähigkeiten im Leben.

Die Grundlage dieser Anschauung beziehe ich aus dem gelebten Leben eines jeden Individuums. Situationen, die eine Begegnung mit Menschen unter Menschen beschreiben, in der Hautfarbe, Religion und gesellschaftliche Zuordnung keine Rolle spielen, hat sicher schon jede Frau erlebt. Jeder Mensch entscheidet, wie und mit wem er kommuniziert, diskutiert, ob ein Problem konstruktiv oder destruktiv gelöst wird. Wie wichtig ist es dann, gute Beziehungen zueinander zu haben! Die guten Beziehungen, der persönliche Einsatz, die Disziplin, die Achtung und die Selbstachtung sind einige der vielen Möglichkeiten, wie unsere gesellschaftlichen Verhältnisse lebendig gestaltet werden können. Diese Aspekte, gepaart mit einer gewissen Kommunikationsfreudigkeit, innerer Überzeugung und Wahrhaftigkeit sind entscheidend für das "Networking" – das eingangs erwähnte Knüpfen eines Beziehungsnetzes.

In der Zeit der Französischen Revolution wurden Kindern, "Irren", Minderjährigen, Kriminellen und (man lese und staune!) Frauen die Bürgerrechte abgesprochen. Diese Missachtung und Unterdrückung lässt uns heute erstarren; doch gleichzeitig erhalten wir die Möglichkeit, uns in den heutigen Modernisierungsprozess "einzufühlen". Das öffentliche Auftreten von Frauen ist heute (fast) an der Tagesordnung. Offenheit und Toleranz gegenüber der politischen Willensbildung standen für diese grossartigen Schritte Pate. Wir müssen aber auch lernen, mit diesem relativ neuen Selbstverständnis umzugehen. Es ist deshalb wichtig, dass wir die Möglichkeiten, welche den Austausch von Meinungen und Erfahrungen zulassen, voll ausschöpfen: Nur wenn die Situationen anderer Frauen verstanden werden, entstehen Chancen, täglich auftretende Sorgen gemeinsam zu bewältigen, die da in etwa lauten:

- Wie reagieren meine Vorgesetzten und Kolleginnen auf meine Schwangerschaft?

- Kann ich Teilzeit arbeiten?

- Wie finde ich einen Krippenplatz?

- Wie reagiere ich auf Schikanen am Arbeitsplatz?

- Wie finanziere ich meine Lebenskosten?

Die Liste der möglichen Stressfaktoren könnte leicht verlängert werden. Mit Hilfe anderer Personen lässt sich aber oft auch ein Lösungsansatz finden!

Beziehungsnetze sind für alle Frauen da. Wir haben es im Verlauf von PIA geschafft, einander zu vertrauen, vernetzt zu denken und unsere Beziehungen sinnvoll einzusetzen. Wir haben im Pionierinnen-Kurs unter anderem erfahren, wie angenehm es sein kann, über Recht und Gesetz informiert zu werden und gleichzeitig den Erfahrungsaustausch mit anderen Frauen über ihre Sorgen und Ängste zu erleben.

Jeder Mensch bestimmt sein eigenes Auftreten, sein eigenes "Marketing", indem er über die Art, wie er sich mit anderen Menschen verständigen will, entscheidet. Dieses Bewusstsein soll uns ermutigen, unsere Möglichkeiten auszuschöpfen. Es soll uns ebenfalls ermuntern, unser Beziehungsnetz durch fortgesetztes "Networking" zu pflegen und auszubauen.

"Networking" ist für jede Frau realisierbar. Probieren Sie es aus!

Heidi Lammel
 
 

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Interview

"Es wird nur Gewinner geben!"

von Vreny Meyer und Käthy Siegrist

Wo stehen wir im Kampf um die Gleichstellung, wo müssen wir besonders hartnäckig weiter arbeiten? Vreny Meyer und Käthy Siegrist haben sich im Rückblick auf ihre Zeit bei PIA über Erfahrungen und Hoffnungen im Umgang mit dem Gleichstellungsgesetz unterhalten.
 
 

Vreny: Wie bist Du zu PIA gekommen?

Käthy: Durch einen Hinweis. Es gab einen Artikel und einen Hinweis in der "Agenda" der Basler Zeitung.

Was hat Dich gereizt, dabei mitzumachen?

Fragen bezüglich des Gleichstellungsgesetzes interessieren mich schon lange. Ich hatte auch eine Auseinandersetzung mit meiner Vorgesetzten, weil wir in meiner Berufsgruppe (ich bin Krankenpflegerin FASRK) für unsere Arbeit zu wenig Lohn verdienen. Meine Vorgesetzte meinte, das sei ein politisches Thema.

Hat Dich PIA in dieser Hinsicht weitergebracht?

Ja. Im Basiskurs habe ich gelernt, dass das Gleichstellungsgesetz nicht nur gleichen Lohn für gleiche Arbeit, sondern gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit vorsieht. Ich habe deswegen mit dem Gleichstellungs-Büro, verschiedenen Gewerkschaften und dem Personalamt BL telefoniert und dabei gemerkt, dass das Gleichstellungsgesetz für unser Problem so nicht anwendbar ist: Bei uns in der externen Haus- und Krankenpflege arbeiten ausschliesslich Frauen – eine Lohndiskriminierung gegenüber Männern ist dann natürlich nicht feststellbar. Und eine Lohndiskriminierung gegenüber vergleichbaren Berufen (z.B. Gemeindepolizist) ist ebenfalls nicht möglich. Das Gleichstellungsgesetz greift einfach zu wenig. Es muss ein Umdenken in unserer Gesellschaft stattfinden, bevor es eine Gleichstellung auf allen Ebenen geben kann.

Das finde ich auch, dass das Umdenken das Wichtigste ist, weil immer noch Geld und Macht bei den Männern konzentriert ist und diese nichts davon abgeben wollen. Aber auch die Frauen selber sind noch zum grössten Teil in traditionellen Rollen gefangen, unter sich nicht einig und zeigen keine Frauensolidarität. Das grösste Problem scheint mir, dass sie zu wenig mutig sind und Angst haben vor Veränderungen im eigenen Umfeld, auch die Angst, "böse" zu sein.

PIA hat mich ermutigt, meine Probleme mit der Sozialversicherung zu lösen. Ich habe die AHV wegen meiner Erziehungsgutschrift angefragt und auch nach Bern geschrieben, dem Bundesamt für Sozialversicherung und dabei keine zufriedenstellende Antwort erhalten. Dann habe ich am 5. August 2000 einen Brief an Bundesrätin Ruth Dreifuss persönlich geschrieben und am 31. August auch eine Antwort erhalten. Leider ist sie negativ ausgefallen.

Hast Du diese Erfahrung auch sonst einmal gemacht?

Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, mit diversen Frauen vom Gleichstellungs-Büro, ich habe beim SBGRL (Schweiz. Berufsverband für Geriatrie, Reha- und Langzeitpflege) gefragt, was dort läuft. Diese wiederum sagten, sie wären froh, von mir zu erfahren, was läuft. Bei weiteren Telefonaten habe ich erfahren, dass spezifische Frauenprobleme wie etwa der Berufsbild-Katalog in den Kantonen BS und BL gleich gewichtet werden. Merkmale für Frauenarbeit werden eindeutig zu wenig hoch bewertet.

Welche Konsequenzen hast Du sonst noch aus Deinen Erfahrungen mit PIA gezogen?

Das Umdenken, das es in unserer Gesellschaft zu einer wirklichen Gleichstellung braucht, ist noch lange nicht vollzogen. Das war ein Grund für mich, mit einer Frauengruppe eine Petition zur Gleichstellung auf allen Ebenen zu starten. Für eine Petition braucht es sehr viel Arbeit. Aber das Sammeln selber lief erfreulich gut und erfolgreich.

Was für Veränderungen würde es in der Gesellschaft auslösen, wenn alle Bedingungen für die Gleichstellung durchgesetzt worden sind?

Das wird sicher noch Generationen dauern! Wenn niemand etwas macht, passiert auch nichts! Ein bisschen mehr Liebe und weniger Neid, ein bisschen mehr Frieden und weniger Krieg, würde es, denke ich, schon geben. Es geht ja um Gleichwertigkeit, nicht um Gleichartigkeit zwischen Frauen und Männern – um freiere Berufswahl und Chancengleichheit, um gleiche politische und militärische Aufstiegsmöglichkeiten. Die Kindererziehung, die Haushalt- und die Sozialarbeit würden geteilt. Schliesslich würde sich auch mehr ökologisches Denken durchsetzen, mit mehr Einbezug und Sensibilität für die Natur.

Was ist Deine Erkenntnis nach deinen Erfahrungen bei PIA?

Dass frau noch lange kämpfen muss. Es geht nur, wenn sich die Frauen vermehrt solidarisieren und den Mut nie aufgeben.
 
 
 

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Eine Pionierin auf Schulbesuch

Das Gleichstellungsgesetz im Klassenzimmer

von Bernadette Wiss

Ein befreundeter Lehrer, der seine Schülerinnen und Schüler auf das Berufsleben vorbereiten muss, hatte mich eingeladen, den jungen Leuten das Gleichstellungsgesetz vorzustellen. Nun stellte sich für mich die Frage: "Wie informiere ich eine Klasse von etwa 20 Jugendlichen im Alter von 15 bis 16 Jahren über das Gleichstellungsgesetz, ohne sie zu langweilen oder zu überfordern?"

Unterstützung erhielt ich von Claudia, die mir geeignetes Anschauungsmaterial bereitstellte. Auch der befreundete Lehrer gab mir wertvolle Tipps zur Gestaltung der Stunden. So konnte ich gut vorbereitet vor die Klasse treten.

Die Unterschiede bei den Löhnen von Männern und Frauen lösten in meinem jungen Publikum allgemeines Erstaunen, bei einigen Mädchen auch Betroffenheit aus. Es wurden viele Fragen gestellt und es wurde eifrig diskutiert. Beim Thema "sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz" wurden die geschlechtlichen und kulturellen Unterschiede bei den SchülerInnen sichtbar. Einige der männlichen Jugendlichen konnten sich gar nicht vorstellen, dass sich Mädchen von ihnen überhaupt belästigt fühlen könnten.

Es war spannend zu beobachten, wie verschieden die Jungen und Mädchen reagierten, und wie sie untereinander diskutierten. Es gab viele Fragen zu beantworten und die Zeit verging schnell.

Es war mir wichtig, die jungen Leute nicht nur auf die noch immer bestehenden Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten im Berufsleben aufmerksam zu machen. Ich wollte ihnen gleichzeitig aufzeigen, dass und wie man sich informieren und sich beraten lassen kann – und dass es mit dem Gleichstellungsgesetz Möglichkeiten gibt, sich gegen Benachteiligungen zu wehren.

Bernadette Wiss
 
 

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