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Kontaktstelle für Arbeitslose

Jahresbericht 2002

Mit einem Beitrag von Marie-Thérèse Kuhn, Co-Leiterin KIGA Basel-Stadt

Inhaltsverzeichnis

Bildung und Arbeitslosenversicherung
Jahresbericht 2002
Erfolgsrechnung 2002
Verdankungen
Beirat

Bildung und Arbeitslosenversicherung

Wahrscheinlich sind wir uns viel zu oft nicht bewusst, dass der biblische Satz: ?Wer hat, dem wird gegeben!" sich nicht nur auf Geld bezieht, sondern auf ganz viel Anderes auch noch.

Wo Familien am Mittagstisch über Bildung diskutieren, werden sie sich oft auch Bildung aneignen, wo viel Abfall herumliegt, wird es bald mehr, wer Schulden hat, strampelt sich weiter hinein, wer viel Humor hat, macht mehr lustige Beobachtungen.

Weil auch Erwachsenenbildung etwas ist, das dazu tendiert, dort gehäuft vorzukommen, wo schon viel vorhanden ist, muss sie den Staat, die Personen, welche im Volllzug des Gesetzes zur Arbeitslosenversicherung tätig sind, Kursanbietende, aber auch uns alle beschäftigen. Wenn ich die Studien von Regula Schrader-Näf in einem Satz zusammenfasse, so heisst der: Erwachsenenbildung ist die Fortsetzung der Ausbildung, und nicht deren Kompensation. Das bestätigt, was wir ahnen: Wer schon eine gute Ausbildung hat, wer bereits weiss, wie Wissen und Können gemehrt werden kann, dem oder der stehen die zahlreichen Angebote der Erwachsenenbildung reichlich zur Verfügung. Wer jedoch keine Ausbildung hat, kann dies nicht durch Erwachsenenbildung ersetzen.

Nun könnte ja die Zeit einer Arbeitslosigkeit dazu genutzt werden, eine fehlende Ausbildung nachzuholen, sich mit Bildungsfragen gezielt auseinander zu setzen, den Aufwand zu leisten und den Versuch zu mehr Chancengleichheit zu wagen. Der Gesetzgeber und die Gesetzgeberin haben jedoch nicht dieses Ziel vor Augen gehabt als sie die arbeitsmarktlichen Massnahmen im Gesetz verankert haben. Vielmehr wollten sie Massnahmen, deren oberstes und erstes Ziel es ist, die arbeitslosen Frauen und Männer möglichst rasch wieder im Arbeitsmarkt zu haben, deren Vermittlungsfähigkeit also zu steigern, nicht jedoch, deren berufliche Position zu verbessern. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Anstellungsaussicht, nicht die Verbesserung der Anstellungsbedingungen. Dies wurde auch vom eidgenössischen Versicherungsgericht mehrfach bestätigt. In den Ohren von Menschen, die auf der politischen Ebene und in ihrer Arbeit viel Kraft und Energie in die Verbesserung der Chancengleichheit für alle stecken, mag dies enttäuschend klingen. Hat man jedoch die Problematik der Arbeitslosigkeit an sich vor Augen, so lässt sich diese starke Gewichtung der Vermittlungschancen eher verstehen: Menschen finden aus einer Stelle heraus rascher eine bessere Stelle als aus der Arbeitslosigkeit heraus. Menschen mit einer Stelle finden auch eher Zugang zu beruflicher, fachspezifischer Weiterbildung als Menschen ohne Arbeit. Je länger die Arbeitslosigkeit dauerte, desto grösser sind die Hürden. Die rasche Integration ist deshalb in der Regel nicht nur zum Nutzen der Arbeitslosenversicherung sondern zuerst zum Nutzen der ehemals arbeitslosen Person.

Es ist zu vermuten, dass Personen, welche bereits über einen guten schulischen Rucksack verfügen jedoch eine eher schmale berufliche Erfahrung haben und dadurch nicht so gut vermittelbar sind, eher eine kostenintensive und breitere Weiterbildung im Rahmen der Arbeitslosenversicherung absolvieren können, weil dies ihre Vermittlungschancen wesentlich erhöht. Personen dagegen, welche geringe schulische Qualifikationen mitbringen haben einen schwierigeren Stand. Hier könnte nur eine grössere Bildungsinvestition, zum Beispiel ein nachgeholter Sekundar-schulabschluss und eine mehrjährige Berufslehre oder eventuell eine Anlehre, die Vermittlungschancen wesentlich erhöhen. Dass solche kompensatorischen Massnahmen nicht alleine von der Arbeitslosenversicherung übernommen werden können, versteht sich einigermassen.

Es ist eine Aufgabe des gesamten Staats- und Gemeindewesens für Chancengleichheit zu sorgen. Auch das Bildungswesen ist angesprochen. Deshalb wird zur Zeit ein Angebot auf der Sekundarstufe 1 ausgearbeitet, welches erwachsenen Menschen dazu dienen soll, die Kenntnisse zu erwerben, welche für eine Berufslehre vorausgesetzt werden.

Im Rahmen der Arbeitslosenversicherung wird jedoch eine Massnahme ganz besonders gefördert, welche den Charakter der Förderung von Grundausbildung durchaus hat. Und dies geschieht mit grossem Erfolg. So hat sich etwa herausgestellt, dass die von der Arbeitslosenversicherung finanzierten Deutschkurse für nicht deutschsprechende Arbeitslose die Vermittlungschancen durchaus erhöhen, obwohl Deutschkurse eher allgemein bildenden Charakter haben. Was im KIGA Basel-Stadt zunächst aus dem Erfahrungswissen heraus gemacht wurde - praktisch alle arbeitslosen Frauen und Männer, die sich nicht genügend auf deutsch verständigen konnten, wurden in einen Kurs geschickt - hat sich auf Grund einer Evaluation als beste Massnahme herausgestellt. Was vor allem lernungewohnten Menschen (und um solche handelt es sich mehrheitlich) zunächst als Schikane erscheinen mag und vielen auch etwas Angst macht - ein Kursbesuch statt Arbeit - stellt sich als nützliche Möglichkeit heraus, das wichtigste Kulturinstrument zu schulen: die Möglichkeit, sich auszudrücken, sich verständlich zu machen, zu verstehen. Damit geht das KIGA BS der Grenze des Zulässigen entlang, zum Nutzen aller.

Marie-Thérèse Kuhn, Co-Leiterin KIGA Basel-Stadt

Jahresbericht 2002

Einleitung

Wäre die Kontaktstelle für Arbeitslose einfach ein ganz normaler Dienstleistungsbetrieb, könnten wir sagen: das 2002 war ein erfolgreiches Jahr, wir konnten dank einem grosszügigen Stiftungsbeitrag unsere finanzielle Lage verbessern, wir konnten auf eine konstant hohe Zahl von Beratungsanfragen eingehen, und auch in der Öffentlichkeit wurde im vergangenen Jahr noch nie so viel über unsere Arbeit und unsere Themen berichtet. Über diese Erfolge freuen wir uns, und wir danken allen, die sich im 2002 für unsere Stelle eingesetzt haben.

Nun ist die Kontaktstelle für Arbeitslose aber kein ganz normaler Dienstleistungsbetrieb. Hinter jeder Anfrage steht eine persönliche Krisensituation, und hinter der vermehrten öffentlichen Aufmerksamkeit steht die aktuelle wirtschaftliche Krise. Kein Grund zur Freude. Doch der erste Schritt zur Problemlösung heisst bei uns: zuhören und hinschauen. In diesem Sinne wollen wir Ihnen mit Fallbeispielen konkreten Einblick in die Anliegen geben, mit welchen Betroffene zu uns kommen.

  • Noch immer ist Mobbing ein grosses Thema in unserer Beratungsarbeit. Im Artikel ?Mobbing und Arbeitslosigkeit" erfahren Sie, mit welchem Ansatz wir Betroffene unterstützen und welche Erfahrungen wir damit machen konnten.
  • Berufliche Weiterbildung ist ein weiterer ?Dauerbrenner" in den Anfragen der Ratsuchenden. Wer erwerbslos wird, muss seine Chancen und Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt neu überdenken. Dies gilt vor allem auch für die rund 45% der Arbeitslosen, die über keine anerkannte berufliche Grundbildung verfügen. Bei den Massnahmen der Arbeitslosenversicherung steht die berufliche Weiterbildung nicht im Vordergrund (siehe Vorwort). Wer sucht, findet vielleicht trotzdem eine Möglichkeit. Die Kontaktstelle wird jedenfalls an diesem Thema weiterarbeiten.

Konstant und konstruktiv, im Dienste der Erwerbslosen

Das Team der Kontaktstelle für Arbeitslose

Februar 2003

Arbeitslosigkeit im Blickpunkt

Zu welchen Entscheidungen, Entwicklungen und Erkenntnisse kam es im vergangenen Jahr rund um das Thema Arbeitslosigkeit? Ein kurzer Jahresrückblick:

  • "Arbeitslosigkeit auf Rekordstand geklettert" vermeldete die Basler Zeitung im Januar 2002. "Arbeitslosigkeit auf Höchststand" titelte sie im Januar 2003. Dazwischen liegt ein Jahr, in welchem das Thema Arbeitslosigkeit zunehmend die Titelseiten der Medien eroberte. Die Arbeitslosenquote stieg in dieser Zeit in Basel-Stadt von 2.4% auf 3.5% - das ist die offizielle Quote, bzw. von 3.6% auf 5% (=5 '160 Personen), wenn wir alle bei der Arbeitslosenversicherung gemeldeten Stellensuchenden berücksichtigen. Für Baselland stieg die Quote im selben Zeitraum um ein volles Prozent von 1.7% auf 2.7% (bzw. von 2.4% auf 3.6% = 4'743 Personen). Sowohl das seco in Bern, wie auch die regionalen Arbeitsämter erwarten, dass die Arbeitslosigkeit vorerst weiter steigen wird. Entsprechend werden die regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) personell aufgestockt.

    • "Also meistens habe ich Absagen erhalten, oder wenn sie mich genommen hätten, hätte ich vom Lohn nicht leben können, dann waren das Fr. 2'700.- bis Fr. 2'800.-. So war es die ganzen zwei Jahre hindurch. Jetzt bin ich bei einem Temporärbüro und kann so einen Zwischenverdienst machen. Ich mache pro Woche drei Bewerbungen, das sind etwa sechzehn Bewerbungen im Monat, und dies das ganze Jahr über. Daraus ergaben sich etwa fünf bis sechs Bewerbungsgespräche, der Rest waren alles Absagen. Entweder hiess es "überqualifiziert" oder "schon einen anderen berücksichtigt". Ich brauche dringend einen Job. Sonst werde ich ausgesteuert, wahrscheinlich. Dann muss ich wahrscheinlich auf das Sozialamt oder sonst temporär weiterarbeiten und mit dem leben, was ich verdiene, aber das würde schlichtweg nicht reichen. Das was ich jetzt über den Temporärjob verdiene das reicht nicht einmal für die Wohnungsmiete und die Krankenkasse." Frau R. (in der Sendung Kontext )

  • Überraschend deutlich, nämlich mit 56.1%, wurde im November 2002 die Revision der Arbeitslosenversicherung angenommen. Per Mitte 2003 werden damit die Bezugsdauer für Arbeitslose unter 55 Jahren von 520 auf 400 Tage gesenkt und die Beitragszeit für den Anspruch auf Arbeitslosengeld von sechs auf zwölf Monate verdoppelt. Der Leistungsabbau wird den Druck auf dem Arbeitsmarkt weiter verschärfen und voraussichtlich zu Mehrausgaben bei der Sozialhilfe führen.

  • "Mehr Mobbing in unsicheren Zeiten": was in der Beratungsarbeit schon länger auffällt, wurde nun wissenschaftlich bestätigt. "Mobbing beeinträchtigt markant die Gesundheit der Arbeitnehmenden und führt häufig zu Stellenwechseln" ergab die Mobbing-Studie des seco. Je nach Bestimmungskriterien leiden 4.4% bis 7.6% der Befragten unter Mobbing.

Mobbing und Arbeitslosigkeit

In den vergangenen zwei Jahren wurde die Kontaktstelle für Arbeitslose vermehrt von Menschen kontaktiert, die aus einer Mobbing- oder Mobbing-ähnlichen Situation heraus arbeitslos wurden. Wir haben unsere bisherigen Erfahrungen in diesem Bereich ausgewertet, uns weitergebildet und vernetzt. Die Auswertung unserer Arbeit zeigte ermutigende Resultate, welche jedoch mit sehr grossem Arbeitsaufwand verbunden waren. Dank der finanziellen Unterstützung durch die Stiftung Arbeitslosenversicherungskasse der Basler chemischen Betriebe (ALU) können seit Sommer 2002 mehr Ressourcen in die Beratung im Bereich Mobbing fliessen.

Die Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Stellen, wie z.B. der help-line der GGG hat sich bewährt. Es gilt die komplexe Situation aus der unterschiedlichen Sicht der Beteiligten zu begreifen. Es konnten verschiedene ermutigende Erfahrungen unter Einbezug des Arbeitgebers gemacht werden. In keinem der vorliegenden Fälle ging es um eine Konfliktprävention. Die Beratung zielte vielmehr auf Deeskalation des akuten Konflikts, Schadensbegrenzung und Aufarbeitung des Konfliktes.

Die meisten Ratsuchenden nehmen erst dann Kontakt mit unserer Stelle auf, wenn der Konflikt bereits fortgeschritten ist, z.B. die Kündigung unmittelbar bevorsteht, oder die Gesundheit bereits Schaden genommen hat. Ziel ist es, dass durch ein vernetztes Beratungsangebot (PsychologInnen, Beratungsstellen, AnwältInnen, amtliche Stellen wie Arbeitsinspektorat und KIGA) Betroffene sich möglichst frühzeitig Hilfe holen können.

Die Beratungen sind sehr zeitaufwendig. Erstens muss die Gesamtsituation erfasst werden, zweitens muss mit der betroffenen Person nach Möglichkeiten gesucht werden, Schritt für Schritt Lösungen für das weitere Vorgehen zu finden. In den meisten Fällen ist die Gesundheit stark beeinträchtigt, was ein langsames Vorgehen verlangt. Erst durch die Schaffung von Distanz können neue Sichten auf den Konflikt gewonnen werden. Der durchschnittliche Beratungsaufwand beträgt ca. 10 Stunden. Der überwiegende Teil der betroffenen Personen sind Frauen. Im Jahr 2002 betrafen 58 Fälle diese Thematik.

Statistik 2002

Konsultationen Persönlich telefonisch total
Januar 127 201 328
Februar 131 177 308
März 178 214 392
April 193 236 429
Mai 198 279 477
Juni 206 251 457
Juli 136 172 308
August 149 184 333
September 184 290 474
Oktober 223 299 522
November 267 304 571
Dezember 193 311 504
Total 2 185 2 918 5 103

Konsultationen nach Argumenten
Anmeldung ALV 522
Information ALV 746
Information Aussteuerung, ALH 234
Information Weiterbildung 182
Verfügungen ALV 241
Arbeitsrecht 499
Arbeitssuche 744
Kündigungen 485
Informationen AHV/IV/UVG/BVG 126
Kinderzulagen 48
Schwangerschaft/Mutterschaft 114
Sozialhilfe 341
Arbeits-/Aufenthaltsbewilligungen 286
Gesundheit 87
Steuern/Betreibungen/Schulden 124
Uebersetzungen 87
Selbständige Erwerbsarbeit 128
Diverses 109
Total 5 103

Total 2001: 4 623

Beratungsarbeit: Fallbeispiele

Mit einigen Fallbeispielen aus unserer vielschichtigen Beratungsarbeit wollen wir Ihnen einen Einblick in unsere Beratungsarbeit geben, der sich mit Zahlen allein nicht erreichen lässt.

Beratungen aufgrund drohender oder bestehender Arbeitslosigkeit nach Konflikten und Spannungen am Arbeitsplatz
-  Herr H. Nach 12 Jahren Mitarbeit erhält die Institution einen neuen Leiter. Ziemlich rasch beginnen Probleme über Kleinigkeiten. Immer mehr wird die Arbeitsleistung bemängelt. Der Arbeitneh-mer (AN) wehrt sich, was weitere Probleme auslöst. Die Konflikte führen dazu, dass AN schwer erkrankt und hospitalisiert wird. Darauf erfolgt die Kündigung. Er sucht Hilfe von aussen, was ihm vorgehalten wird, da er dadurch den Ruf der Institution schädigen würde. Der AN ist total verunsichert. Wir versuchen einen Vermittlungsversuch und klären viele weitere Fragen ab wie Zeugnis, Krankentaggeld, IV, BVG u.a.m.
-  Frau S. und M. Beide Frauen wurden nach massivem Konflikt entlassen. Auslöser war ein Diebstahl im Betrieb. Allen für den Diebstahl in Frage kommende Personen wird mit der gleichen Begründung (Diebstahl) gekündet. Bereits seit längerem gab es immer wieder Konflikte mit der Leitung, welche die mangelnde Loyalität der Mitarbeiterinnen beklagt. Abklärung der rechtlichen Situa-tion, Beschaffung des Arbeitszeugnisses und Information über die Arbeitslosenversicherung (ALV).

Beratungen aufgrund Spannungen und Konflikten mit Ämtern
-  Herr T. Teilinvalid und teilarbeitslos. Übt eine selbständige Tätigkeit im Zwischenverdienst aus. Es bestehen grössere Unklarheiten über den Abrechnungsmodus, da noch kein steuerbarer Verdienst erzielt werden kann. Erst nach längerem Hin- und Her kann durch ein vermittelndes Gespräch mit der Kasse eine Vereinbarung erzielt werden.
-  Hr. P. Im Zwischenverdienst. Der Arbeitgeber will keine Formulare für die ALV mehr ausfüllen und ist nur noch bereit, die Arbeit im Auftragsverhältnis abzugeben. Der AN möchte die Teilzeitstelle nicht verlieren und weiss nicht wie vorgehen. In der Zwischenzeit stoppte die Kasse die Auszahlung der Taggelder, da keine Abrechnungen des Zwischenverdienstes vorliegen. Der AN findet niemanden, der ihm weiterhelfen könnte. Nach verschiedenen Anläufen führt er die Tätigkeit als Selbständiger fort. Die Erwerbstätigkeit wird anerkannt und angerechnet. - Frau W. Eine Rückforderung von zuviel ausgerichteten Taggeldern bringt Frau W. völlig aus dem Gleichgewicht. Sie kann nicht den Sachverhalt erkennen, zumal bereits einmal eine Rückforderung gestellt wurde, welche aber zurückgezogen wurde, da ein Berechnungsfehler vorlag. Auf dem Amt wird auf die Rekurs- und Erlassmöglichkeit verwiesen. Nach der Rekonstruktion der Sachverhaltes schreibt sie unter Anleitung selber ein Erlassgesuch.

Beratungen aufgrund Spannungen und Konflikte in Beschäftigungsmassnahmen
-  Herr G. Zuweisung zu Programmplatz trotz zweier kleinerer Jobs im Zwischenverdienst. Einstelltage wegen diverser anderer Fragen. Abklären und Erläutern der Situation, Orientierungshilfe über aktive arbeitsmarktliche Massnahmen (AAM), Vermitteln zwischen Amt und Programmanbieter, Ferienanspruch abklären.
-  Herr S. Ausschluss aus Programm, Beratung was weitergehen könnte, verschiedene Kontaktmöglichkeiten gegeben, Vermittlung zu Instanzen.
-  Frau I. Kündigung und Freistellung nach Mobbingvorwürfen. Psychologische Hilfe vermittelt bei PUK, Verarbeitung der Kündigung, Anmeldung KIGA nach dem Konflikt, Arbeitszeugnis erstellt für VB (Vorübergehende Beschäftigung) als Vorlage, Hilfe bei Arbeitsuche und Bewerbung.

Beratung und Begleitung von Erwerbslosen, welche Initiative ergreifen möchten, um aus der Erwerbslosigkeit heraus zu kommen oder um nicht erneut erwerbslos zu werden.
-  Frau N. Ehemals erwerbslos, zur Zeit in einer Anstellung. Der Lohn reicht aber nicht zum Leben als alleinstehende Mutter. Sie muss weitere Unterstützung von der Sozialhilfe beziehen. Sie sucht deshalb nach einer neuen Erwerbsmöglichkeit. Mit einem konkreten Projekt tritt sie an unsere Stelle. Unter Anleitung wird ein Businessplan erstellt, mögliche Kapitalgeber werden kontaktiert, weitere Stellen aufgesucht bis sich herausstellt, dass die Realisierung doch auf zu grosse Schwierigkeiten stösst, die kaum alleine bewältigt werden können. Die Vorarbeit kann aber für ein weiteres kleineres Projekt oder in Kooperation mit anderen Personen dienen.
-  Herr P. Erwerbslos, bald ausgesteuert, möchte sich selbständig machen. Er arbeitet bereits auf diesem Gebiet und braucht ein Atelier und zusätzliche Maschinen. Bis aber ein genügend grosser Kundenstamm aufgebaut werden kann, ist er teilweise auf die Existenzsicherung angewiesen. In der Beratung suchen wir nach Vernetzungsmöglichkeiten, damit er flexibel genug bleibt, um auch andere unselbständige Arbeit annehmen zu können.
-  Frau P. Sie ist erwerbslos und sehr aktiv in der freiwilligen Arbeit. Sie möchte sich noch mehr engagieren, müsste dies aber bezahlt machen können. Da dies in ihrem Bereich nicht leicht ist, überlegt sie sich eine neue Ausbildung. Nach langen Abklärungen gelingt es ihr auch einen Ausbildungsplatz zu bekommen und zu finanzieren.
-  Herr V. Sozialhilfebezüger mit mehreren Jobs auf Abruf , suchte Betätigungs- und Qualifizierungsfeld. Es ergab sich ein Betätigungsfeld bei unserer Stelle und seither arbeitet er unentgeltlich mit. Erfolgreiche Unterstützung bei der Umsetzung einer eigenen Projektidee.

Beratung und Begleitung von Personen, welche sozialarbeiterisch umfassend in ihrer Krisensituation beraten und begleitet werden.
-  Frau S. Schwer traumatisiert nach Affekthandlung ihres Ehegatten, plötzlich alleinerziehend, ohne gute Deutschkentnisse: Sofortmassnahmen um Existenz zu sichern, Anmeldung Sozialhilfe, Stunden von Kredit, Abmelden Telefon, Psychologin organisieren eventuell auch für Kinder, Abklären ob weitere Schulden vorliegen, Schriftverkehr mit Ämtern übersetzen und erklären.
-  Herr B. Nach Arbeitsunfall ganz arbeitsunfähig, wenig Deutschkenntnisse. Probleme mit Unfall-versicherung klären, IV-Anmeldung veranlassen, Aufenthaltsbewilligung abklären, Schuldensanierung organisieren.
-  Herr H. Arbeitsunfall vor Jahren, abgelehnte IV, jedoch in Wiedererwägung, Familie im Heimatland. IV-Abklärung begleiten und weiterweisen, Aufenthaltsbewilligung abklären, Schuldensanierung, Familiennachzug abklären, Belastung durch Medikamente thematisieren.

ComputerRaum und Schulung

Computer-Grundkenntnisse gehören heute zur Allgemeinbildung. Doch auch in diesem Bildungsbereich gilt der Satz: Wer hat, dem wird gegeben: Die Angebote richten sich an ein junges, lerngewohntes, technikvertrautes oder zahlungskräftiges Publikum. Die Individual-Kurse des ComputerRaum und Schulung sind ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Chancengleichheit im Zugang zu den modernen Technologien. 27 Personen haben im 2002 einen Individual-Kurs besucht. Ältere Menschen, Menschen mit Lernschwierigkeiten und Leute, die den Umgang mit den seelenlosen Ungeheuern noch nicht gewohnt sind, schätzen es sehr, dass sie in unseren Kursen Lernziele und Lerntempo selber bestimmen können.

Geschlecht
Frauen: 44.4 %
Männer: 55.6 %

Nationalität
Schweiz: 74.1 %
Ausland: 25.9%

Alter
17-30 J: 18.5%
31-40 J: 22.2%
41-50 J: 37.0%
51-60 J: 7.4%
über 60J:14.8%

Finanzierung
Teilnehmer: 51.9 %
Sozialhilfe: 7.4 %
Projekte: 40.7 %

Frauenhandbuch

Warum gibt die Kontaktstelle für Arbeitslose das Frauenhandbuch Kanton Basel-Stadt neu heraus? Die Idee wurde an uns herangetragen: Katja Müggler, Projektleiterin der Erstausgabe, suchte nach der Auflösung der OFRA (Organisation für die Sache der Frau) eine neue Herausgeberin, und sah in der Kontaktstelle, welche früher bereits an der Herausgabe eines Handbuches für Migrant/innen beteiligt war, eine ideale Partnerin. Dass sich die Kontaktstelle auf die Anfrage einliess, entschieden vor allem drei Punkte: Erstens hat uns das Konzept eines aktualisierbaren Ringbuches überzeugt; Zweitens sind arbeitslose Frauen ein wichtiges Zielpublikum des Frauenhandbuchs: Es bietet Frauen in einer Umbruchsituation, auf der Suche nach Vernetzung und Unterstützung eine wichtige Orientierung; Und drittens bietet das Projekt interessante Tätigkeitsfelder für unsere Praktikant/innen. Am 30. April wurde das Frauenhandbuch unter dem Matronat von Regierungsrätin Barbara Schneider im Basler Rathaus der Öffentlichkeit vorgestellt. Seit Ende 2002 sind die rund 160 Porträts auch im Internet abrufbar, unter www.frauenhandbuch.ch

Frauenhandbuch Kanton Basel-Stadt , Kontaktstelle für Arbeitslose (Hrsg.), aktualisierbares Ringbuch, Basel 2002, ISBN 3-9520969-1-1, Preis Fr. 26.-

Selbsthilfe für Arbeitslose

Die Fachhochschule für Sozialarbeit hat die Dokumentation unserer Erfahrungen in der Förderung von Selbsthilfe für Arbeitslose in ihrer Reihe publiziert:

Selbsthilfe für Arbeitslose: Projekte Handlungsanleitung Rechtliche Informationen FHS-Reihe Nr. 19, Basel 2002, ISBN 3-906418-18-9, Preis Fr. 12.-

5. Geschenk-Tausch-Aktion 2002

In der offenen Kirche Elisabethen haben kurz vor Weihnachten insgesamt 400 Kinder an der 5. Geschenk-Tausch-Aktion teilgenommen. Wie jedes Jahr haben wir die Gelegenheit wahrgenommen und ca. 200 Bons an das Sozialamt Basel-Stadt verschickt, damit auch diese Familien und deren Kinder an der Geschenk-Tausch-Aktion teilnehmen konnten.

Natürlich gab es auch dieses Jahr eine Menge an verbleibenden Spielsachen. Diese wurden gerne von der Organisation, SOS Solidarité chômeurs in Moulhouse entgegen genommen. Diese Arbeitslosenselbsthilfe-Organisation betreut zur Zeit 85 bedürftige Familien mit ihren Kindern.

Einige Bilder:http://www.viavia.ch/geschenktausch...

Erfolgsrechnung 2002

Rechnung und Budget vom 1.1.02 - 31.12.02

Rechnung 01 Rechnung 02 Budget 02 Budget 03
Aufwand
Löhne, Sozialkosten 84 237.75 96 932.20 90 000.00 103 000.00
Lohn Computerraum 12 554.90 27 216.15 15 000.00 25 000.00
Miete inkl. Nebenkosten 21 499.50 26 571.35 22 000.00 27 000.00
Telefon/Porti 4 388.20 4 959.85 4 200.00 5 000.00
Büroaufwand 8 617.90 12 732.95 10 000.00 12 000.00
Oeffentlichkeit 3 487.90 2 347.30 4 000.00 3 000.00
Einrichtung, Reparaturen 1 038.50 3 746.40 4 000.00 4 000.00
Supervision, Weiterbildung 1 988.00 2 595.20 4 000.00 3 000.00
Aufwand Projektarbeit 35 504.50 35 146.70 35 000.00 35 000.00
Total 173 317.15 212 248.10 188 200.00 217 000.00
Ertrag
Honorare 3 565.55 2 355.80 4 000.00 3 000.00
Subventionen WSD-BS 18 000.00 18 000.00 18 000.00 18 000.00
Bürgergemeinde/CMS 50 000.00 50 000.00 50 000.00 50 000.00
Stiftungen 64 000.00 72 000.00 70 000.00 70 000.00
Kirchgemeinden, Firmen, Verbände, Gemeinden 2 162.70 14 814.05 3 000.00 15 000.00
AKB 2 000.00 6 943.85 6 000.00 4 000.00
IGA 5 400.00 1 986.10 10 000.00 4 000.00
Computerraum 12 554.90 27 216.15 15 000.00 25 000.00
Diverse Spenden 7 555.00 2 278.40 3 000.00 3 000.00
Ertrag Projektarbeit 7 510.30 22 157.75 9 200.00 25 000.00
Total 172 748.45 217 752.10 188 200.00 217 000.00
(Verlust) Überschuss (568.70) 5 504.00

Bilanz per 31.12. 02

Aktiven
Kasse 232.25
Postcheck 62 799.75
Debitoren 3 399.00
Total 66 431.00
Passiven
Kreditoren 12 238.25
ALU Beitrag 03/04 60 000.00
Eigenkapital
Kapital per 1.1.02 -11 311.25
Überschuss 2002 5 504.00
-5 807.25 -5 807.25
66 431.00

Dank dem Überschuss konnte die Verschuldung vermindert werden. Diese beträgt noch Fr. 5 807.25.

Verdankungen


-  Bürgergemeinde Basel-Stadt, aus dem Anteil am Ertrag der CMS
-  Dr. H.C. Emile Dreyfus-Stiftung
-  E.E. Zunft zu Rebleuten
-  Evangelisch reformierte Kirchgemeinde Rümlingen
-  Evangelisch reformierte Kirchgemeinde Bubendorf
-  Evangelisch reformierte Kirchgemeinde St. Leonhard
-  Gemeinde Bettingen
-  Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige GGG
-  Gewerkschaftsbund Basel-Stadt und Baselland
-  Gloor + Christ
-  KIGA Basel-Stadt (Druckkostenbeitrag)
-  Louise Aubry Kappeler Stiftung
-  Reformierte Kirchgemeinde Allschwil-Schönenbuch
-  Reformierte Kirchgemeinde Oberwil, Therwil, Ettingen Reformierte
-  Kirchgemeinde Liestal-Seltisberg
-  Römisch-Katholische Kirche Basel-Stadt
-  SAH, Schweiz. Arbeiterhilfswerk (Projektkredit)
-  Scheidegger Thommen Stiftung Stiftung
-  Hilfeleistung für Arbeitnehmer Stiftung
-  Arbeitshütte Stiftung ALU (Arbeitslosenversicherungskasse der Basler chemischen Betriebe)
-  VFJM Wohngruppe
-  Verein Soziale Oekonomie
-  Allen weiteren Einzelpersonen, welche die Kontaktstelle im letzten Jahr grosszügig unterstützt haben, sei hier herzlichst für ihr Engagement gedankt.

Beirat

Folgende Personen unterstützen die Kontaktstelle für Arbeitslose im Beirat fachlich und ideell:
-  Eymann Felix, Bürgergemeinderat, Arzt, Basel
-  Frost-Hirschi Andrea, Grossrätin, Juristin, Basel
-  Gysin Remo, Nationalrat, Basel
-  Inglin-Buomberger Beatrice, Grossrätin, Dozentin FHS-BB, Basel
-  Mäder Ueli, Privatdozent Soziologie, Basel
-  Rauchfleisch Udo, Prof. für klinische Psychologie, Basel
-  Ritter Markus, Ex-Grossratspräsident, Biologe, Basel
-  Schäppi Hans, Präsident Gewerkschaftsbund Basel-Stadt
-  Wick Peter, Professor für Neues Testament, Basel

 

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