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Jahresbericht 2007

Inhaltsverzeichnis

Gastbeitrag: "Moderne Werte für alle"
Rolf Maegli: "Neue Ansätze sind dringend nötig!"
Einleitung und Ausblick
Arbeitslosigkeit in Zahlen
Beratungsbericht
Beratungsarbeit in Zahlen
Weitere Dienstleistungen
Jahresrechnung 2007
Verdankungen

Gastbeitrag: "Moderne Werte für alle"

Anette Stade, Projektleiterin „Stadthelfer" und „innovage"

In der Vorbereitung eines Referats zu sozialem Wandel und Wertewandel moderner westlicher Gesellschaften, hatte ich Gelegenheit, mich wieder einmal ausgiebig mit den verschiedenen soziologischen und sozialpsycho­logischen Thesen und Untersuchungen der letzten 20 Jahre auseinanderzu­setzen. Nun, bei diesem Referat ging es eher um eine Auslegeordnung, denn um eine Bewertung der verschiedenen Ansichten oder eine Fokussierung auf ein gesellschaftliches Teilsystem. Gerne nutze ich hier nun aber die Ge­legenheit, den Zusammenhang zwischen aktuellen Wertedebatten und Arbeitslosigkeit näher zu betrachten und ein paar persönliche Gedanken dazu zu äussern.

In der Krise mit den Werten

Mit der generell unbestrittenen Tatsache, dass der Wertewandel in den letzten 60 Jahren an Tempo und gesamtgesellschaftlicher Rele­vanz zugenommen hat, geht immer die Streitfrage einher, ob es sich dabei um einen Wertezerfall oder zumindest eine Wertekrise oder eine Wertepluralisierung handle. Für mich hat hier Helmut Klages, deutscher Soziologe, einen inter­essanten Ansatz aufgezeigt. So geht er davon aus, dass es nicht so sehr das Problem einer möglichen Wertekrise ist, mit dem wir uns beschäftigen sollten, sondern mit der Krise der Institutionen mit den sich wandelnden Werten und ihren gesellschaftlichen Folgen. Klages geht davon aus, dass sich die Werte zu Beginn der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts bis heute immer mehr von den Pflicht- und Akzeptanzwerten, wie Fleiss, Gehorsam, Unterordnung, Be­scheidenheit und Fügsamkeit u. Ä., hin zu Selbstentfaltungswerten wie Autonomie, Partizipation, Ungebundenheit, Eigenständigkeit, Selbstverwirklichung u. Ä. entwickelt haben. In seinen weiteren Aus­führungen diagnostiziert er bei zahlreichen staatlichen und zivilge­sellschaftlichen Organisationen, aber auch bei vielen wirtschaftlichen Unternehmen, ein Verharren oder sogar Beharren auf den Pflicht- und Akzeptanzwerten im Umgang mit den jeweiligen AdressatInnen.

Moderne Werte für alle

Heute sind viele gesellschaftliche Werte nicht mehr schicht- oder lebenslagen-spezifisch. Waren bei den alten Griechen die Selbstent­faltungswerte, wie zum Beispiel die Musse, noch der Elite vorbehal­ten, so werden ihre Lebbarkeit heute von allen Schichten einge­fordert. So fordern also auch Erwerbslose und Sozialhilfebeziehende für sich die Möglichkeit, selbst bestimmt und nach individuellen Be­dürfnissen ihr Leben zu gestalten. Bei näherer Betrachtung ist die Umsetzung dieser Werte aber stark an eine ökonomische Unabhän­gigkeit gekoppelt. Wer aus der fi­nanziellen Selbstversorgung heraus­fällt, tut sich schwer mit den Selbstentfaltungswerten. Sicher sind viele solcher Werterfüllungen an finanzielle Mittel ge­knüpft, gerade hedonistische Konsum-, Abenteuer- und Abwechs­lungsbedürfnisse, doch ist dies eine unzureichende Erklärung. Sozialstaatliche Institu­tionen, wie zum Beispiel die Arbeitslosenversi­cherung oder auch die Sozialhilfe, sind tief in den Akzeptanz- und Pflichtwerten verwurzelt. Dies oft auch in der eigenen Betriebskultur, sicher aber im Umgang mit den Versicherten und BezügerInnen. Gehen wir nun aber davon aus, dass nur gesellschaftlich priorisierte Werte Motivation und Energie bei den Einzelnen zu ihrer Umsetzung freisetzen, besteht hier ein Spannungsfeld, dass zu grossen Reibungsverlusten führt: dem Bedürfnis der AdressatInnen, auch in einer finanziellen Notlage das Leben weiterhin selbst bestimmt gestalten zu können, steht der Anspruch der Institutionen gegenüber, öffentliche Gelder sorgfältig zu verwalten, und der Druck, deren Verwendung auch öffentlich recht­fertigen zu können.

Das Eine mehr tun, heisst nicht, das Andere zu lassen

Um nochmals Klages zu zitieren: Es geht heute nicht so sehr darum, nur die moderneren Selbstentfaltungswerte zu leben, sondern eine sinnvolles, situatives Nebeneinander von Selbstentfaltung und Ak­zeptanz zu ermöglichen. So gibt uns Ersteres die nötige Motivation und Energie, das Leben zu gestalten, Letzteres die nötige Beharrlich­keit und den Durchhaltewillen, unsere Ziele zu verfolgen und Krisen durchzustehen. Denkt man also über zukünftige Ausrichtungen der sozialstaatlichen Institutionen nach, so muss die ausgeprägte Kontroll- und Pflicht­erwartung nicht durch ein „laissez faire" ersetzt werden, sondern könnte durch den konkreten Einbezug der AdressatInnen als mün­dige und motivierte Menschen ergänzt werden. Dieser Einbezug erscheint zu Beginn aufwändiger und schwieriger, da er auf die individuelleren Bedürfnisse der Einzelnen mehr Rück­sicht nehmen muss. Auf der anderen Seite kann aber davon ausge­gangen werden, dass die Einzelnen in die Umsetzung beschlossener Massnahmen mehr Eigenenergie investieren als in eine rein von oben verordnete und kontrollierte Massnahme.

Ansätze sind vorhanden

Die Kontaktstelle praktiziert den oben beschriebenen Ansatz seit Jahren erfolgreich. Sie bietet den Ratsuchenden bedarfsgerechte Beratung und Unterstützung zu allen Fragen rund um Arbeitsverlust, Arbeitslosigkeit und Fürsorgeabhängigkeit. Hier werden Betroffene auch miteinander vernetzt und Initiativen zur (alternativen) Rückkehr in die Arbeitswelt unterstützt. In der Information über die gesetzlichen Rahmenbedingungen der sozialstaatlichen Institutionen, in der Bera­tung zur möglichen Lebensgestaltung in diesem Rahmen und darum herum, aber besonders in der Stärkung der Betroffenen als gesell­schaftliche Gruppierung liegt die Stärke der Kontaktstelle. Doch auch in den staatlichen Institutionen sind innovativen Ansätze erkennbar. So werden KlientInnen in der Casemanagement-Beratung der Sozialhilfe Basel vermehrt zu ihren eigenen Casemanagern, im neuen Arbeitsintegrationszentrum (AIZ) versuchen das Amt für Wirt­schaft und Arbeit, die Invalidenversicherung und die Sozialhilfe ihre Kräfte und Ressourcen zu bündeln und Massnahmen für die Adres­satInnen nachhaltiger zu gestalten.

Trotzen Sie dem Klimawandel

Die Wetterprognosen für die soziale Landschaft sehen alles andere als rosig aus. Eine Kaltwetterfront kommt aus dem Westen auf uns zu und bei gleich bleibenden oder schrumpfenden finanziellen Mit­teln, entstehen bei vielen ernsthafte Bedenken. Selbstentfaltungs­werte sind ohne Zweifel Kinder der wirtschaftlich starken Jahre, doch haben sie, wider aller Unkenrufe der konservativen Kräfte, bereits er­folgreich die Ölkrise in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts überlebt. Und so möchte ich dieses Vorwort mit einem Appell an alle LeserInnen dieses Jahresberichts schliessen: Überlassen Sie die Werte der Selbstbestimmung, der Partizipation, der Kreativität und der Eigenständigkeit nicht allein den finanziell und wirtschaftlich Er­folgreichen. Stärken Sie diese Werte, in dem Sie sie selber leben oder Institutionen dabei unterstützen sie umzusetzen.

Rolf Maegli: "Neue Ansätze sind dringend nötig!"

Die Arbeitslosenhilfe und die Sozialhilfe haben in den letzten Jahr­zehnten erfahren, wie schwierig es ist, mit staatlich organisierten Programmen Menschen wieder in die Arbeitswelt zu integrieren. In der Sozialhilfe hat sich Schweizweit bestätigt, dass nur rund 1/3 der Menschen, welche in Programme vermittelt wurden, dauerhaft in den Arbeitsmarkt integriert werden konnten. Erfahrungen aus dem In- und Ausland zeigen zudem, dass standardisierte Massenprogramme die geringsten Erfolgsquoten aufweisen. Am erfolgreichsten sind Pro­gramme, welche sehr individuell auf die betroffenen Menschen ein­gehen können. In diesem Kontext sind daher neue Ansätze nicht nur willkommen, sondern auch dringend als Ergänzung zu den her­kömmlichen Massnahmen nötig. Die Idee, dass die Betroffenen sich selber organisieren und versuchen, Prozesse zur Aktivierung in Gang zu setzen, ist viel versprechend. Denn es entspricht ebenso unseren Erfahrungen, dass die Erfolgsquote umso höher ist, je grösser die Mo­tivation der Betroffenen. Es darf angenommen werden, dass die Mo­tivation bei selber organisierten und getragenen Massnahmen gege­ben ist. In diesem Sinne wünschen wir den Initiativen viel Erfolg! Rolf Maegli Leiter der Sozialhilfe der Stadt Basel

Einleitung und Ausblick

2007 war ein spannendes Jahr für die Kontaktstelle mit viel Unge­plantem, guten Kooperationen und neuen Perspektiven. Der Umzug von der Greifengasse an den Klingentalgraben 2 gehört zu diesem Kapitel.

Die bessere Konjunktur und die Auswirkungen der Sparmassnahmen der Sozialwerke haben zu einer Verlagerung der Themen in der Be­ratungsarbeit geführt. Mehr Bewerbungshilfe für Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen sind die Folge. Immer mehr Rat­suchende mit komplexen und instabilen Mischeinkommen aus tem-porä­rer Arbeit, Teilrenten, Zulagen etc. suchen unsere Unterstützung. Bei Ausländerinnen und Ausländern kommt zur existenziellen Unsi­cherheit die Angst vor dem Verlust des Aufenthaltsrechts hinzu. Generell ist es auch bei der verbesserten Arbeitsmarktlage für Lang­zeitarbeitslose sowie Personen mit gesundheitlichen Ein­schrän­kungen immer noch sehr schwierig, eine feste oder existenzsi­chernde Stelle zu finden.

Die permanente Stellensuche, die von einem Auswahlverfahren zum nächsten ständige Anpassung und Neuausrichtung erfordert, verlangt von den Betroffenen eine sehr hohe Flexibilität, Frustra­tionstoleranz und Beharrlichkeit. Ebenso viel Energie und Ausdauer müssen jene Ratsuchenden aufbringen, welche aus der Langzeit­arbeitslosigkeit heraus eine (Teil)-Selbstständigkeit aufbauen wollen. Es ist uns daher sehr wichtig, dass wir neben der Einzelberatung auch Anschluss- und Austauschmöglichkeiten in unseren Selbsthilfe­projekten bieten können. Kooperation - das Zusammenbringen meh­rerer zum Nutzen aller - ist ein wirksames und bewährtes Mittel für alle, die ihren Weg neu finden müssen.

Den schwierigen und belastenden Situationen standen 2007 denn auch viele aufbauende und zukunftsweisende Erfahrungen gegen­über: das Projektpraktikum von Studierenden der Fachhochschule für Soziale Arbeit z.B., das zum Selbsthilfeprojekt KOOP geführt hat, die Kooperation mit dem Projekt BonNetzBon der Sozialen Ökono­mie Basel, der Austausch und die Zusammenarbeit mit dem Projekt Stadthelfer, die 10. Gschängg-Tuusch-Aktion zusammen mit der Offenen Kirche Elisabethen, dem Amt für Umwelt und Energie, dem Stadtladen und dem Kindernäscht; die Vernetzung mit Initiativen im Elsass und in Süd­baden, die Projektentwicklung in der Gesundheits­förderung für Arbeitslose, das Zusammenleben mit der Migrantinnen­organisation Nosotras im neuen Lokal, die Gesundheitstage, die uns dieses Jahr fünf Mal in die Natur geführt haben.

Ausblick:

Die Sturmfront vom Westen droht auf uns zuzukommen. In den letz­ten zwei Jahren hatten wir zwar nur einen leichten Rückgang der Be­ratungen, doch wir spürten sehr konkret die gute Konjunkturlage. Viele vor allem die jüngeren Menschen konnten Fuss fassen in der Arbeitswelt. Es gab vermehrt Möglichkeiten für Menschen, welche schon sehr lange weg vom Arbeitsmarkt waren. Doch am sozialen Sicherungsnetz wurden einschneidende Einsparungen vorgenom­men. Was ist, wenn nun ein wirtschaftlicher Einbruch stattfindet wie anfangs der 90er Jahre oder noch härter wie einige Wirtschaftsfach­leute prognostizieren?

Das Projekt koop ist für diese nächste Rezensionsphase ausgelegt. Wenn es uns gelingt, mit wenig Geld in guter Konjunkturlage kooperative Selbsthilfe für Langzeitstellensuchende zu fördern, dann schaffen wir auch ein gutes Fundament für viel schwierigere Zeiten. Das Projekt koop ist gut skalierbar und schafft einen Rahmen, in dem sich sehr viele Menschen selber organisieren und weiterbringen können. Das Team der Kontaktstelle

Arbeitslosigkeit in Zahlen

2007 waren in Basel-Stadt im Durchschnitt 3'166 Personen arbeits­los, bzw. 4'665 stellensuchend gemeldet. Dies entspricht einer Arbeitslosenquote von 3,2 %. In Basel­land lag der Jahrsdurchschnitt bei 3'211 Arbeitslosen und 4'576 Stellensuchenden, was eine Arbeitslosenquote von 2,3 % ergibt. Für die ganze Schweiz lag die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei 2,8%. Die Jugendarbeits­losigkeit ging auf 3,2 % zurück, wobei auffällt, dass die Quote bei den schweizerischen Jugendlichen bei 2,5%, bei den ausländischen aber bei 5,3% liegt. Bei den erwachsenen Arbeitslosen überrascht uns nicht, dass nur 35% vor der Arbeitslosigkeit eine Hilfsfunktion inne hatten; 52,7% nahmen zu­vor eine Fachfunktin ein. Überdurch­schnittlich viele Langzeitarbeits­lose kom­men aus den Branchen Kaufmännisches/Administration; Handel und Verkauf sowie Gastge­werbe. Quelle: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt, seco.

Bei der Sozialhilfe ist Arbeitslosigkeit auch 2007 in jedem zweiten Fall der Unterstützungsgrund. Einen Überblick, wie viele Menschen zusätzlich zu Einkommen und Leis­tungen aus Sozialversi­cherungen bedarfabhän­gige Sozialleistungen be­ziehen, gibt der neue Sozi­alkennzahlenbericht des Statistischen Amts Basel-Stadt. Dabei geht es um Leis­tungen wie Alimentenbevorschussung, Beiträ­ge an Kran­kenkassenprämien oder Beiträge für Kinderbetreuung. Bericht Sozialkennzahlen

Beratungsbericht

Die Angebote der Kontaktstelle sind für alle zugänglich, unabhängig davon, ob jemand bei der Arbeitslosenversicherung gemeldet ist oder nicht. Die Stelle bietet Information, Beratung, Begleitung und An­schluss an Selbsthilfeprojekte, von der kurzen telefonischen Anfrage bis zu einem Kontakt über mehrere Jahre.

Rechtsberatung für versicherte Arbeitslose: Der Bereich Informa­tion und Beratung von versicherten Arbeitslosen nimmt eher ab. Wir führen dies auf einen Rückgang der klassischen Arbeitslosigkeit und auf das verbesserte Informationsangebot im Internet zurück (die Rat­geberseite von www.viavia.ch verzeichnet im Durchschnitt 400 Besu­che pro Tag). Die meisten Kontakte entstehen, wenn jemandem eine Kündigung droht, wenn vor der Anmeldung bei der Versicherung noch Fragen geklärt werden wollen oder wenn durch die Versi­cherung Einstelltage verfügt wurden.

Konfliktbelastete Kündigung, Mobbing: Drohende oder bereits be­stehende Arbeitslosigkeit wegen Konflikten, Mobbing oder mobbing­ähnlichen Situationen bleiben ein wichtiges Beratungsthema. Neben der Sozial- und Rechtsberatung leistet die Kontaktstelle in diesen Fällen Triage für die medizinische Unterstützung. Was fehlt, ist ein gesundheitsförderndes Angebot zur Ver­arbeitung der erlittenen Verletzungen. Wir haben daher zusammen mit zwei Fachfrauen das Konzept „Blickwechsel" entwickelt, das diese Lücke künftig schliessen soll. In einzelnen Fällen übernimmt die Kontaktstelle eine Vermittlungsrolle zwischen Ratsuchenden und ehemaligem Arbeitgeber, um einen geregelten Abschluss des aufge­lösten Arbeitsverhältnisses zu ermöglichen.

Stellensuchende nach Rentenkürzung: Ein wachsendes Segment der Ratsuchenden sind Personen, denen eine bisherige Rente ge­kürzt wurde oder bei denen die weitere Auszahlung von Ergänzungs­leistungen an das Nachweisen von Stellenbemühungen geknüpft wurde. Besonders problematisch ist in diesen Fällen, dass die Betrof­fenen sich oft subjektiv als nicht arbeitsfähig wahr­nehmen - und sich einem Arbeitsmarkt stellen müssen, in dem es nur wenig Nischen für Leistungseingeschränkte gibt. Deshalb ist über die reine Bewer­bungshilfe hinaus viel motivations- und ver­ständnisfördernde Arbeit nötig.

Bewerbungshilfe für prekär Beschäftigte: Auch hier handelt es sich um ein neues und wachsendes Segment der Ratsuchenden. Oft sind es Personen, die unsere Stelle während ihrer Arbeitslosigkeit kennen gelernt haben und inzwischen eine vorüber­gehende oder sonstwie ungesicherte Beschäftigung gefunden haben, sowie um Famlienmitglieder oder Bekannte von Ratsu­chenden. Ziel ist das Finden einer festen oder existenzsichernden Anstellung.

Interkulturelle Vermittlung: Etwa die Hälfte der Ratsuchenden sind ausländischer Herkunft und haben entweder sprachliche Defizite oder mangelndes Wissen darüber, wie das hiesige Sozialsystem funktioniert. Gleichzeitig sind sie oft in Situationen, welche die Kom­munikation mit mehreren Amtsstellen erfordert. In der Einzelberatung wird mit diesen Ratsuchenden ein geeignetes Vorgehen geplant und gemeinsam umgesetzt. Dieses kann von Bewerbungshilfe über strukturelle Erläuterungen bis hin zur Begleitung und Mediation bei Kontakten mit Behörden führen. Ziel der Einzelberatung ist immer die Förderung des Verständnisses und damit der Hilfe zur Selbsthilfe.

Begleitung von prekären Selbstständigen: Ein konstante Zahl von Ratsuchenden versucht mit dem Aufbau einer selbstständigen Erwerbstätigkeit einen Weg aus der wirtschaftlichen Unselbstständig­keit zu finden. Oft sind diese aus der Not geborenen Projekte wirt­schaftlich schwer in Gang zu bringen, doch stellen sie in praktisch je­dem Fall eine Tätigkeit dar, welche die beruflichen und sozialen Kompetenzen der Betroffenen stärken. Die Kontaktstelle erbringt neben der Triage an spezialisierte Angebote für Gründer/innen eine langfristige Begleitung, bei der konkrete Unterstützung in formalen Fragen, die Ver­netzung mit ähnlich Betroffenen und das Aufrecht­erhalten einer posi­tiven, konstruktiven Einstellung im Mittelpunkt stehen.

Rechtsberatung für Sozialhilfe-Bezüger/innen: Viele Langzeit­arbeitslose sind nach der Aussteuerung von der Sozialhilfe abhängig. Sie suchen bei Verfügungen der Sozialhilfebehörde unsere Bera­tungsstelle auf. Diese betreffen häufig den Verdacht auf Schwarz-arbeit. Die Ratsuchenden ersuchen um Unterstützung um zu be­weisen, dass keine Schwarzarbeit vorliegt bzw. wollen mit einer un­abhängigen Stelle das Vorgehen besprechen, wenn es tatsächlich Schwarzarbeit gab. Andere Gründe für Verfügungen betrafen Unter­stützung durch Konkubinatspartner, zu hohe Wohnungskosten oder Weiterbildungsbeiträge von Verwandten. Weil die Rechts­grundlage oft nicht klar ist, ist es von grossem Vorteil, dass das Beratungsteam in stetem Austausch mit der Amtsleitung und der Rechtsberatung der Sozialhilfe Basel-Stadt steht.

Suche nach Austausch und Anschluss: Langzeitarbeitslose leiden oft an Vereinsamung. Betroffen sind alleinstehende Arbeitslose je­den Alters und mit unterschiedlichstem beruflichem Hintergrund. Sie suchen die Beratungsstelle auch auf, um wichtige Entscheidungen besprechen zu können, weil ihnen dazu in ihrem persönlichen Um­feld niemand zur Seite steht. Angebote wie die „Gesundheitstage" oder Anschluss und Austausch im Rahmen von Selbsthilfeprojekten sind diesen Ratsuchenden sehr willkommen.

Beratungsarbeit in Zahlen

Total Beratungskontakte:
-  2007: 4009 (tel. und persönlich)
-  2006: 4437
-  2005: 4131

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Thema200520062007
Kurzinformation rund um ALV, von der Anmeldung bis zur Aussteuerung12701255902
Spezifische Probleme: Frauen, Migration, Gesundheit669723522
Beratung Langzeitarbeitslosigkeit, Armut589877971
Rechtsberatung Arbeitsrecht, AHV,IV,UVG,BVG492612441
Beratung Konfliktsituationen432461385
Beratung Perspektiven gestalten (Arbeitssuche, Weiterbildung, Selbst.Erwerb)599509788
Total413144374009

Weitere Dienstleistungen

Projekt KOOP: Eine Gruppe von Studierenden der Fachhochschule für Soziale Arbeit hat im Rahmen eines Projektpraktikums (eine in Basel erstmalig durchgeführte Form: Projektarbeit als Praktikum) bei der Kontaktstelle für Arbeitslose ein Konzept für kooperative Unter­nehmen von Langzeitarbeitslosen entwickelt. Im Mai organisierte die Gruppe eine Auftaktveranstaltung, die von über 30 Betroffenen besucht wurde. Die Teilnehmenden teilten sich in der Folge in Inter­essensgruppen auf, welche begleitet von Coaches in mehreren Phasen Ideen klärten, Erfahrungen sammelten und eine konkrete Um­setzung vorbereiteten. Ende 2007 waren immer noch vier Gruppen aktiv. Die Kontaktstelle für Arbeitslose übernimmt zur Zeit noch einen wesentlichen Teil der Coachingarbeit. Fachliche Unterstützung erhält das Projekt durch eine Begleitgruppe, in der auch die Fachhochschule für Soziale Arbeit vertreten ist. Ein wichtiges Ziel für die weitere Entwicklung ist der Ausbau des Wissenstransfers von Studierenden an die Teil­nehmenden.

Kollektive und Individuelle Selbsthilfeprojekte: Über das Projekt KOOP hinaus begleitet die Kontaktstelle schon seit Jahren Selbsthilfeprojekte von Arbeitslosen. Im 2007 konnte das Projekt „Planet 13 - Treffpunkt und Internet-Café für Armutsbetroffene" nach mehrjährigem Planungsprozess den entscheidenden Schritt machen und ein Lokal eröffnen. Die Kontaktstelle bleibt dem Projekt durch einen Einsitz im Vorstand erhalten. Auch wenn ein Projekt sich viele Jahre lang erfolgreich unabhängig weiter entwickelt, kann in Krisensituationen auf die Mediation durch die Kontaktstelle zurückgegriffen werden. So geschehen beim vor zehn Jahren selbstständig gewordenen Zeitungsprojekt „Surprise" welches nebem dem Jubiläum einen Konflikt zu bewältigen hatte. Ebenfalls zehn Jahre alt, aber immer noch nah an der Kontaktstelle ist die jährliche „Geschenk-Tausch-Aktion" in der Vorweihnachtszeit. Eine engere Zusammenarbeit ist mit der „Genossenschaft NETZ Soziale Ökonomie" eingegangen worden. Zahlreiche aus der Selbsthilfe entstandene Angebote haben sich im Projekt BonNetzBon vernetzt und eine Plattform gefunden. Das erfolgreichste Projekt im Bereich individuelle Selbsthilfe war 2007 das Tourismusprojekt einer Migrantin aus den Komoren. Die Initiantin konnte eine Gründerinnen-Ausbildung absolvieren, fand eine Teilzeitstelle und konnte eine Pilotreise erfolgreich durchführen!

Frauenhandbuch: Dieses wird seit 2002 von der Kontaktstelle für Arbeitslose in einer Printversion und online herausgegeben und ak­tualisiert. Die Aktualisierung der Printversion wurde vorübergehend sistiert, weil dafür keine Finanzierung gefunden werden konnte. Die Onlineversion auf www.frauenhandbuch.ch konnte dank Spenden im Sommer 2007 komplett aktualisiert werden.

Gesundheitstage: Auf Wunsch der Teilnehmer/innen der Gesund­heitstage 2006 wurden die Gesundheitstage 2007 fortgesetzt, ob­wohl für sie keine Projektfinanzierung gefunden werden konnte. Möglich wurde dies, weil die Referenten/innen nur symbolische oder gar keine Honorare verlangten, weil einzelne Teil­nehmer/innen sich an der Planung und Durchführung von Tagen be­teiligten und weil die Mitarbeiter/innen der Kontaktstelle sich für das auch von ihnen sehr geschätzte Projekt ehrenamtlich einsetzten. Die trotzdem ent­standenen Kosten wurden durch die Kontaktstelle über­nommen. Gleichzeitig wurde zusammen mit zwei externen Fachfrauen das Konzept überarbeitet. Unter dem Namen „Blickwech­sel" sollen im 2008 zehn Gesundheitstage und ein fünfteiliges In­tensivseminar zur Gesundheitsprävention stattfinden.

Jahresrechnung 2007

Bilanz per 31.12.07

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Aktiven
Kasse187.45
PC90'509.30
Debitoren5'480.30
Total96'177.07

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Passiven
Kreditoren14'705.95
Transitorische Passiven43'176.20
Rückstellungen30'000.00
Total87'882.15

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Eigenkapital
Kapital per 1.1.072'200.00
Überschuss 076'094.32
Kapital per 31.12.078'294.92
Total96'177.07

-  Revision Die Rechnung wurde geprüft und zur Annahme empfohlen durch Kandid Ganter, eidg. dipl. Buchhalter / Controller, Arlesheim, den 9. April 2008.

Betriebsrechnung 2007

-  Ertrag

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Honorare2'804.30
Subvention18'000.00
Krisenfonds36'000.00
Bürgergemeinde/CMS25'000.00
GGG40'000.00
Stiftungen33'000.00
Kirchgemeinden21'473.25
Gemeinden/Verbände/Firmen2'500.00
Diverse Spenden3'954.85
Projektertrag56'216.05
Total238'948.45

-  Aufwand

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Löhne/Sozialkosten111'520.78
Miete inkl. Nebenkosten25'327.85
Telefon/Porti4'803.55
Büroaufwand12'876.90
Oeffentlichkeitsarbeit2'737.95
Einrichtung/Reparatur**15'036.10
Aufwand Projektarbeit*60'551.00
Total232'854.13
Überschuss6'094.32

* Projektaufwand betrifft Projekt koop, Begleitung von Sozialhilfebezügern, Gesundheitstage und Frauenhandbuch. Darin sind Lohnkosten der Kontaktstelle in der Höhe von Fr. 13'660..-- enthalten, sowie Honorare an externe Fachpersonen in der Höhe von Fr. 14'170.--. ** Die ausserordentlichen Kosten gegenüber dem Budget 07 resultieren aus dem unvorhergesehenen Umzug an den Klingentalgraben 2.

-  Budget 2008

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Ertrag
Honorare2'500.00
Subvention18'000.00
Krisenfonds36'000.00
Jacqueline Spengler Stiftung25'000.00
GGG (angefragt)40'000.00
Stiftung Hilfeleistungen (angefragt)15'000.00
Stiftungen25'000.00
Kirchgemeinden15'000.00
Gemeinden/Verbände/Firmen5'000.00
Diverse Spenden2'000.00
Projektertrag (Stiftung ALU, CMS u.a.)45'000.00
Total:228'500.00

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Aufwand
Löhne/Sozialkosten114'500.00
Miete inkl. Nebenkosten23'000.00
Telefon/Porti4'000.00
Büroaufwand12'000.00
Oeffentlichkeitsarbeit2'500.00
Einrichtung/Reparatur2'000.00
Aufwand Projektarbeit 65'000.00
Weiterbildung4'500.00
Total227'500.00 Überschuss1'000.00

Verdankungen

-  Arbeitslosenfonds (Krisenfonds) Kanton Basel-Stadt
-  Bürgergemeinde Basel-Stadt aus dem Anteil am Ertrag der CMS
-  Christoph Merian-Stiftung
-  Einwohnergemeinde Riehen
-  Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Allschwil-Schönenbuch
-  Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Arisdorf-Giebenach-Hersberg
-  Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Birsfelden
-  Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Frenkendorf-Füllinsdorf
-  Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Liestal-Seltisberg
-  Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Münchenstein
-  Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Muttenz
-  Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Reigoldswil-Titterten
-  Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Sissach
-  Evangelisch-Reformierte Landeskirche Baselland
-  Ernst Göhner Stiftung
-  Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige GGG
-  Gleichstellungsbüro Basel-Stadt
-  Kommission der Arbeitshütte
-  Louise Aubry-Kappeler-Stiftung
-  Pfarramt für Wirtschaft und Industrie beider Basel
-  proitera Gmbh
-  Römisch-Katholische Landeskirche Baselland
-  Scheidegger Thommen-Stiftung
-  Sofie und Karl Binding Stiftung
-  Stiftung ALU (Arbeitslosenvers. der Basler chemischen Betriebe)
-  Stiftung für Hilfeleistungen an Arbeitnehmer
-  Subvention Wirtschafts- und Sozialdepartement WSD Basel-Stadt

Auch allen Einzelpersonen, welche uns im letzten Jahr grosszügig unterstützt haben, sei hier herzlichst gedankt.

Seit 1999 ist die Kontaktstelle C-Organisation der GGG Die Kontaktstelle auf einen Blick

Vereinsvorstand

-  Martin Stingelin, Präsident. Pfarrer, Pfarramt für Industrie und Wirtschaft beider Basel
-  Antoinette Voellmy, Vize-Präsidentin und GGG-Delegierte. Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
-  Mariann Gloor, Typografin, Gewerkschaftsbund Basel
-  Remo Gysin, Nationalökonom und Nationalrat
-  Anne-Lise Hilty, Kommunikationsfachfrau
-  Marcus Cottiati, Anwalt

Geschäftsstelle

-  Hans-Georg Heimann, Gemeinwesenarbeiter (Beratung und Geschäftsleitung)
-  Cathérine Merz, Sozialpädagogin (Beratung)
-  Claudia Studer, kfm. Angestellte (Sekretariat)

-  Revision: Kandid Ganter (eidg. dipl. Buchhalter / Controller)

Beirat
-  Christoph Bossart (Stellenleiter Caritas beider Basel)
-  Felix Eymann (Bürgergemeinderat Stadt Basel, Arzt)
-  Andrea Frost-Hirschi (Juristin, Thun)
-  Beatrice Ingling (Ombudsfrau, Dozentin fhnw, Basel)
-  Lukas Kundert (Präsident Kirchenrat ERK Basel-Stadt)
-  Ueli Maeder (Professor für Soziologie, Universität Basel)
-  Udo Rauchfleisch (Professor für klinische Psychologie, Basel)
-  Markus Ritter (Biologe, Unternehmer, Basel)
-  Hans Schäppi (Historiker, Präsident Solifonds, Basel)

Spenden Spenden an die Kontaktstelle für Arbeitslose sind in den Kantonen Basel-Stadt, Baselland, Solothurn und Aargau gemäss den kantona­len Richtlinien von den Steuern abziehbar.

Postcheck-Konto: 40 - 27730 - 7

 

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