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lipa-Initiative: Mehr Achtung und Beachtung für Lehrlinge


Am 18. Mai kommt die Lehrstellen-Initiative von Jugendverbänden und Gewerkschaften zur Abstimmung. Doch die lipa-Initiative kann nur der Anfang sein. Die berechtigten Ansprüche der Lehrlinge werden noch immer kaum richtig wahrgenommen.


Zu den Grundrechten eines Lehrlings gehört das Recht auf eine gute Ausbildung. So steht es im Berufsbildungsgesetz. Aber Papier ist bekanntlich geduldig und so gibt es noch zu viele Unternehmen, die es nicht nötig finden, sich an die gesetzlichen Vorschriften zu halten.

Zu viele Lehrlinge schweigen und erdulden diese Zustände – aus Angst, ihre Lehrstelle und somit auch zwangsläufig ihren Abschluss zu verlieren. Viele von ihnen werden eingeschüchtert. Es wird mit Massnahmen oder Sanktionen gedroht. Wer den Mund aufmacht und sich wehrt, wird immer wieder auf seine eigenen Fehler aufmerksam gemacht. Und die kantonalen Behörden sehen machtlos zu oder ziehen sich gar ganz aus der Verantwortung. Unternehmen, welche die Bedingungen zur Lehrlingsausbildung nicht erfüllen, dürfen trotzdem Lehrlinge ausbilden. Verstösse gegen das Berufsbildungsgesetz erachtet man als Kavaliersdelikt. Damit muss Schluss sein.

Das Komitee der Lehrstellen-Initiative (lipa), machte 1996 zum ersten Mal auf sich aufmerksam. Damals jagten sich Schlagzeilen wie „Dramatischer Lehrstellenmangel“ oder „Jugend ohne Zukunftsperspektiven“. Hinter der lipa stehen die SAJV, Jungparteien und die Gewerkschaftsjugend. Die Probleme auf dem Lehrstellenmarkt, die notwendige Förderung der Integration, Bildung als Grundrecht, Gleichstellung von weiblichen und männlichen Auszubildenden und der Missstand, dass Trittbrettfahrer noch immer nicht für die Lehrlingsausbildung bezahlen, führten zur Gründung des Komitees.

Die Lehrstelleninitiative verlangt, dass ein Berufsbildungsfonds eingerichtet wird. Alle Betriebe zahlen in den Fonds, doch die Betriebe mit Lehrstellen können ihre Ausbildungskosten in Abzug bringen. Wenn sie vier bis sechs Lehrlinge pro hundert Beschäftigten ausbilden, zahlen sie per Saldo wenig bis nichts. Betriebe, die keine oder zu wenig Lehrstellen anbieten sind Nettozahler. Insgesamt würden diese Abgaben jährlich 400 bis 500 Millionen einbringen.

Die lipa versucht derzeit, der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass es momentan dramatisch wenig Lehrstellen gibt und dass eine gute Berufsausbildung sehr wichtig für unsere Gesellschaft ist. Denn die nächste Lehrstellenkrise wird schon für den Herbst 2003 erwartet. Nun geht es erst einmal darum, die Abstimmung am 18. Mai zu gewinnen – wenn möglich mit einem deutlichen Ja. Nebst dem konkreten Nutzen, den die Annahme der Initiative haben würde, soll sie Jugendliche von der Nützlichkeit politischer Arbeit überzeugen. Aber auch bei Annahme der Initiative wäre das Problem des Lehrstellenmangels nicht gelöst: Allein in Basel-Stadt fehlen derzeit 270 Lehrstellen, gesamtschweizerisch sind um die 5000 Jugendliche arbeitslos. Dafür sind andere Massnahmen erforderlich. Die Lehrstellen-Initiative kann aber als Beginn einer neuen Art der Berufsbildung betrachtet werden. Die Forderungen der Lehrlinge werden bis heute nämlich kaum thematisiert.

Andrej Lützelschwab

 



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