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Welche Modelle der Selbsthilfe haben Zukunft?

Im Gegensatz zu früher, als Selbsthilfe von Amtes wegen eher argwöhnisch beäugt wurde, wird heute die Wichtigkeit von Selbsthilfeprojekten auch von Fachleuten anerkannt. Hansjürg Dolder, der Co-Leiter des KIGA Basel-Stadt schrieb in seinem Vorwort zum Jahresbericht 1999 der Kontaktstelle: "Es können Ideen entstehen, welche sich dann sehr rasch und dynamisch entwickeln lassen. Auch wird der Wert solcher Projekte und die Identifikation mit ihnen erhöht, weil sie quasi ‚aus den eigenen Reihen' und mit eigenem Herzblut geschaffen wurden. Initiativen dieser Art werden auch jetzt und weiterhin eine wichtige Funktion zur Verbesserung der Situation arbeitsloser Menschen haben. Sie sind deshalb auch sehr zu begrüssen." Doch welche Modelle von Selbsthilfe werden heute im Bereich Erwerbslosigkeit praktiziert? Uns sind zwei erfolgreiche Modelle bekannt:

-  Das Coaching-Modell: (Hilfe zur) Selbsthilfe, auf eine bestimmte Person und deren berufliche Zukunft bezogen. Ziel ist eine berufliche Neuorientierung und damit verbunden die Rückkehr dieser Person in den Arbeitsmarkt. Zu diesem Zweck wird eine massgeschneiderte Unterstützung angeboten (Standortbestimmung, Zielvereinbarung, Aktionsplan, Nachbetreuung). Dieses Modell wird in Basel durch den Verein "Kiebitz" [1] praktiziert und steht sowohl versicherten Erwerbslosen wie Sozialhilfe-EmpfängerInnen offen. Finanziert wird dieses Modell über die Arbeitslosenversicherung bzw. eine Leistungsvereinbarung. Das Modell setzt ein Engagement der gecoachten Person voraus und wird daher nur auf freiwilliger Basis durchgeführt. Auch auf Seiten des Anbieters gibt es eine Freiwilligkeit: nach erfolgter Standortbestimmung wird das Coaching nur dann fortgesetzt, wenn sich für eine Neuorientierung erfolgversprechende Perspektiven abzeichnen. Dieses Modell der (Hilfe zur) Selbsthilfe kann für einen Teil der Erwerbslosen eine sehr wertvolle Unterstützung sein.

-  Das Soziotop-Modell: (Hilfe zur) Selbsthilfe als ein gemeinsamer, tätigkeitsorientierter Prozess verschiedener Personen. Ziele sind die Förderung der Handlungsfähigkeit sowie der sozialen Integration. Zu diesem Zweck werden Projekte gefördert, in welchen ohne Erfolgsdruck neue Tätigkeiten ausprobiert und neue Fähigkeiten entwickelt werden können. Das Soziotop-Modell fördert gemeinschaftliches Vorgehen und schafft Experimentierfelder, in welchen sowohl soziale wie auch fachliche Kompetenzen weiterentwickelt werden. Wichtiger als das "Werk" ist die "Wirkung". Es ist zwar durchaus möglich, dass aus einem Projekt nach Soziotop-Modell feste Arbeitsplätze entstehen können, aber das ist nicht das hauptsächliche Ziel. Dieses Modell wird seit den 90erJahren durch die KONTAKTSTELLE FÜR ARBEITSLOSE, bzw. das "Arbeitslosen-Komitee Region Basel" [2] praktiziert und wird über die Gruppe der versicherten oder sozialhilfeabhängigen Erwerbslosen hinaus von Menschen in prekären Arbeits- und Lebenssituationen genutzt. In all den Jahren konnte keine gesicherte Finazierung aufgebaut werden. Das Modell basiert auf Freiwilligkeit, wobei die Freiwilligkeit auf Seiten der Betroffenen im Vordergrund steht, und sich die Anbieter nur in extremen Ausnahmefällen auf ihr Recht auf Freiwilligkeit berufen. Das Soziotop-Modell geht davon aus, dass gesellschaftliche Teilnahme, Teilhabe und Teilgabe allen Menschen offenstehen muss. Die professionellen Begleiter/innen verstehen sich als "Erleichterer" einer selbstbestimmten Selbsthilfe.

Wenn in der Folge von "Selbsthilfe-Projekten" die Rede ist, dann ist damit das Soziotop-Modell gemeint.

[1] "Kiebitz", Verein zur Förderung beruflicher Neuorientierung, Villa Merian, Brüglingen 1, 4052 Basel (Tel. 061 / 378 80 80)

[2] Das AKB (Arbeitslosen-Komitee Region Basel) ist das Netzwerk der Erwerbslosen-Selbsthilfeprojekte, die durch die Förderung und Betreuung der Kontaktstelle für Arbeitslose entstanden sind. Postfach, 4005 Basel (Tel. 061 / 691 51 41)

 

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