Ausgehend vom Arbeitslosenkomitee La Chaux-de-Fonds gelang es den schweizerischen Arbeitslosenkomitees die 50 000 Unterschriften für ein Referendum gegen die Taggeldkürzungen durch den dringlichen Bundesbeschluss zu sammeln. Im Oktober 1997 war der Abstimmungstermin angesetzt. Die Komitees wurden für die Abstimmungskampagne vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund unterstützt. Da die Unterschriften vorwiegend aus der welschen Schweiz stammten, wo es viel mehr aktive Komitees gab, musste für die Abstimmung vor allem die deutsche Schweiz bearbeitet werden. Das Arbeitslosenkomitee Basel organisierte deshalb unter dem Titel „Erwerbslose in Fahrt" eine einmonatige Busfahrt durch die Deutschschweiz und das Wallis. Ziel war es, innerhalb eines Monates möglichst viele Menschen mit den Anliegen der Erwerbslosen direkt anzusprechen. Grossanlässe wie Festivals, Open-Airs, Stadtfeste, Sportanlässe etc. boten eine ideale Gelegenheit. Gleichzeitig sollten soziale Brennpunkte aufgesucht und dokumentiert werden. Daneben wurden auch kulturelle und sonstige Sehenswürdigkeiten besucht, um für die TeilnehmerInnen ein attraktives Programm anbieten zu können.
Wir waren gespannt, wie viele Personen sich für die Busfahrt interessieren würden. Zu unserem Erstaunen waren es vor allem SozialhilfebezügerInnen, die mitmachten und sich für die Anliegen der Erwerbslosen einsetzten. In sieben Touren besuchten verschiedene Teams Städte und Anlässe. Wir schliefen jede Nacht woanders, auf Campingplätzen oder bei Bauern. Wo wir auch waren, schlugen wir unsere Stände auf und kamen mit unzähligen Menschen ins Gespräch. Wir verkauften Produkte, die Arbeitslose hergestellt hatten: Textilien, Gebäcke, Holzmalereien, Arbeitslosenzeitungen u.a.m. Wir besuchten Betriebe, die gerade in den Schlagzeilen waren und sprachen mit den verschiedenen involvierten Verantwortlichen. Vor Ort suchten wir vorher den Kontakt zu interessierten Organisationen, die auch gefunden und für eine Mitarbeit gewonnen werden konnten. Am Abend wurden dann die Tageserfahrungen in einem Logbuch festgehalten, das auch immer offen an den Ständen zur Einsicht und für Einträge des Publikums auflag [1]. An den Wochenenden wurden die Berichte ins Internet gestellt. So gestalteten sich die Reisen zu einem Bildungsprojekt über die "Schweiz von unten". An verschiedenen Orten konnten die TeilnehmerInnen in den Lokalradios aber auch in einer "Doppelpunkt"-Sendung des Radios DRS über ihre Wahrnehmungen berichten.
Fast niemand hatte mit einem Abstimmungsausgang zugunsten der Arbeitslosen gerechnet. Um so mehr erfreute das zwar knappe aber positive Resultat die TeilnehmerInnen der Busfahrt. Sie hatten mit ihrer wichtigen Arbeit einen direkten Anteil am Abstimmungssieg.
[1] Die Dokumentation der Busreise "Erwerbslose in Fahrt - Die Schweiz von unten gesehen" kann beim Arbeitslosenkomitee der Region Basel bezogen werden. Tel. 061 / 691 51 41