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Anhang IV: Checkliste für eine konstruktive Streitkultur

Streitkultur heisst einander offen und fair die Meinung sagen, ohne zu verletzen. Das ist ein hoher Anspruch - erst recht auf einem Gebiet, auf welchem es fast nur Anfänger/innen gibt. Eine geeignete Lektüre kann den Einstieg in die Materie Streitkultur erleichtern. Umfassend aber leicht zu lesen ist "Miteinander streiten" des Kommunikationspsychologen Frank Naumann. Unsere Checkliste nimmt auf die Erkenntnisse Naumanns Bezug.

Lese-Empfehlung: Naumann Frank, "Miteinander streiten - Die Kunst der fairen Auseinan-dersetzung" Rowohlt Taschenbuch, Reinbek, 1995

Grundlegende Regeln für faires Streiten:

-  Meinungsunterschiede sind wichtig und normal. Konfliktscheu macht ausnutzbar und ist ein Gesundheitsrisiko. Konfliktkultur bringt Erfolg.

-  Persönliche Aussagen mit "ich" und "du" sind klarer als "man", "jemand" etc. Sich auch nicht hinter unpersönlichen Instanzen, "Autoritäten" verstecken. Die persönlichen Gefühle ansprechen, die ein Streitthema auslöst.

-  Zum Streiten gehört Zuhörenkönnen. Dafür sorgen, dass keine Partei ständig unterbrochen wird oder gar nicht erst zu Wort kommt. Aber auch nur passiv den anderen Parteien zuhören ist nicht produktiv. Zum fairen Streit gehören ausgeglichene Anteile von Zuhören und Sprechen.

-  Jeder Streit sollte einen Anfang und ein Ende haben. Am Anfang sollten alle wissen, um was es konkret geht. Ein klares Ende sollte herbeigeführt werden, damit der Streit nicht in einem unaufhörlichen Kreisverkehr endet. Ein guter Streit endet mit einer Einigung und nicht mit dem Sieg der einen Partei über die andere.

-  Konflikte sollten schnell und bewusst angesprochen werden (Streitvorboten beachten), müssen aber nicht gleich gelöst werden. Wichtig ist eine schnelle Verständigung darüber, was das Problem ist und wann darüber gesprochen wird.

-  Alle Streitparteien haben Rechte, u.a. das Recht, den Streit auf später zu verschieben; mit dem Streit anzufangen; Streitregeln vorzuschlagen; sich Zeit zum Nachdenken zu nehmen; nachzugeben.

-  Nicht jede Stimmung eignet sich für Streit: wenn der Streit-Teufelskreis voll entbrannt ist und die Emotionen kochen, gibt es wenig Möglichkeiten mehr für eine faire Auseinandersetzung.

-  Bisherige Streitstrategien kritisch hinterfragen und gegebenenfalls ausbremsen. Nau-mann nennt verschiedene Typen destruktiver Streiter/innen: die Punktesammler, die Tester, die Detektive, die Hobbypsyologen, die Erzieher, die Geheimniskrämer, die Gesprächskiller, die Dauerredner, die Schweiger, die Manipulierer, die Schläger.

-  Der Ort einer Auseinandersetzung hat Bedeutung: wir ziehen es vor, auf vertrautem Terrain, mit Heimvorteil, zu streiten. Auf eine für alle Parteien angenehme Streitlokalität achten.

-  Die Schuldfrage vermeiden. Es geht nicht darum über die Vergangenheit zu streiten - nichts lässt sich ungeschehen machen - sondern Lösungen für die Zukunft auszuhandeln.

-  Niemanden in die Enge treiben! Streiten ist kein sportlicher Wettbewerb. Es gibt fast immer eine Partei, die schneller argumentiert, eine die eher emotional reagiert etc. Eine "Metadiskussion", d.h. ein Gespräch über das Gespräch kann weiterhelfen.

 

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