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> > AKB > A-Post > A-Post 2001 Nr. 4

SATAN UND DER ROTE PASS



An einem regnerischen Novembermorgen lag Frau K. im Bett. Plötzlich hörte sie in ihrem linken Ohr ein Geflüster. "Ich bin der Satan und habe eine Frage an Dich: Wieso willst Du nicht die erste islamische Regierungsrätin des Kantons Basel-Stadt werden? Die Zeit ist gekommen!" Frau K. antwortete: "Leider kann ich nicht, Herr Satan, weil ich nicht Schweizerbürgerin bin." Satan war wütend: "Du bist seit 14 Jahren hier und immer noch nicht Schweizerbürgerin? Du musst diese Kleinigkeit sofort erledigen." Sie rannte ins Einbürgerungsbüro. Das war aber keine Kleinigkeit. Dort wartete sie lange, weil viele Frauen mit Kopftüchern und Männer mit Turbanen im Warteraum sassen. Sie dachte, ob die auch alle RegierungsrätInnen werden wollten.

Im Büro erfuhr sie, dass es nicht einfach ist, eine islamische Regierungsrätin zu werden. Erstens sollte sie weiter zu den anderen Ämtern rennen und viele Formulare ausfüllen, zweitens bezahlen und das Wichtigste: jahrelang warten. Sie war unruhig. Wann ist die nächste Regierungsratswahl? Sie schaute auf die Unterlagen und merkte: Obwohl dieser Auftrag von Satan kam, musste man ein Engel sein, um Schweizerbürgerin zu werden: Keine Schulden, guter Leumund, sehr gute Kenntnisse der Staatskunde und viel Geduld. Sie beschaffte alle Unterlagen und bezahlte 800 Franken. Dann wartete sie auf einen Brief mit dem Termin für ein Interview mit dem Inquisitor.

An einem sonnigen Sommertag (nicht im nächsten, sondern im übernächsten Sommer) fand Frau K. ein Couvert im Briefkasten mit einem Termin. Sie war glücklich. An diesem Tag zog sie ihre schönsten Kleider an. Pünktlich sass sie im Büro des Inquisitors und beantwortete seine Fragen. Weiter musste sie warten auf einen Brief des Jüngsten Gerichts. Sie hatte Geduld. An einem grausamen Wintertag fand sie in ihrem Briefkasten, was sie erwartet hatte: Einen neuen Termin und Einzahlungsscheine. Sie bezahlte rechtzeitig. Im Sitzungssaal der Bürgergemeinde erwartete sie ein ganzes Heer von Richtern und Geschworenen. Nach der Prüfung war sie erleichtert. Die nächste Regierungsratswahl würde im Herbst sein. Aber leider war Frau K. im Herbst immer noch nicht Schweizerbürgerin. Sie verpasste die Regierungsratswahl. Kurz vor Weihnachten bekam sie ihren Einbürgerungsentscheid. Zu spät: Die Satanspläne für Basel-Stadt waren gescheitert.

 



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