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Jahresbericht 1999

Mit einem Beitrag von Hansjürg Dolder, Co-Leiter KIGA Basel-Stadt

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Gastbeitrag von Hansjürg Dolder
Die Kontaktstelle für Arbeitslose im Lichte der heutigen arbeitsmarktlichen Situation
Jahresbericht 1999

Gastbeitrag von Hansjürg Dolder

Hansjürg Dolder
Co-Leiter KIGA Basel-Stadt

Die Kontaktstelle für Arbeitslose im Lichte der heutigen arbeitsmarktlichen Situation

Arbeitslosigkeit ist als Teil des Arbeitsmarktes immer ein Spiegelbild der Konjunktur und des strukturellen Zustands der Wirtschaft. Dies führt zu sehr starken Schwankungen der Anzahl von Arbeitslosigkeit betroffener Personen. Wir sind jetzt gegen Ende eines solchen Zyklus angelangt.

Er begann anfangs der 90er Jahre und liess die Zahl arbeitsloser Personen von rund 1000 auf über 6000 (Mitte der 90er Jahre) steigen. Als Reaktion auf die arbeitsmarktliche Krisensituation, welche die ganze Schweiz betraf, wurde die Arbeitslosenversicherung erheblich ausgebaut. Neben einer Leistungsverlängerung wurden auch neue Instrumente zur Verkürzung oder Vermeidung von Arbeitslosigkeit eingeführt. Ein wichtiger Teil davon stellte die Professionalisierung der Arbeitsvermittlung und die Bildung von zusätzlichen arbeitsmarktlichen Massnahmen dar. Zur Zeit stehen wir vor einem wirtschaftlichen Aufschwung und dürfen mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit rechnen.

Welche Berechtigung und Aufgabe hat nun die Kontaktstelle für Arbeitslose angesichts des ausgebauten Instrumentariums der Arbeitslosenversicherung und der günstigen Entwicklung des Arbeitsmarktes? Die Kontaktstelle hat meines Erachtens auch jetzt sehr wohl eine Berechtigung und es kommt ihr eine wichtige Aufgabe zu. Sie kann von der Basis aus durch Information, Motivation und Veranstaltungen unter anderem Impulse zur Selbsthilfe setzen. Dadurch kann eine eigene Dynamik und Motivation entstehen, welche den beteiligten Personen die Stellensuche oder gar den Einstig in eine selbständige Erwerbstätigkeit erleichtert.Auch die Organe der Arbeitslosenversicherung motivieren und unterstützen die Selbsthilfe. Der hohe Organisationsgrad der Arbeitslosenversicherung setzt der raschen Entwicklung und Umsetzung von Selbsthilfeprojekten jedoch Grenzen.

Die Kontaktstelle kann hier die wichtige Aufgabe übernehmen, Impulse für Selbsthilfeprojekte zu geben und zu begleiten. Es können Ideen entstehen, welche sich dann sehr rasch und dynamisch entwickeln lassen. Auch wird der Wert solcher Projekte und die Identifikation mit ihnen noch erhöht, weil sie quasi 'aus den eigenen Reihen' und mit eigenem Herzblut geschaffen wurden. Initiativen dieser Art werden auch jetzt und weiterhin eine wichtige Funktion zur Verbesserung der Situation arbeitsloser Menschen haben. Sie sind deshalb auch sehr zu begrüssen.

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Jahresbericht 1999

Die Zahlen der Arbeitslosenstatistik verfestigen die Meinung, dass in der Schweiz das Problem der Erwerbslosigkeit bewältigt sei. Aus unserer Sicht sieht die Realität ein wenig anders aus. Der grössere Teil der Menschen ohne feste Stelle muss heute von der Sozialhilfe unterstützt werden und taucht deshalb nicht mehr in der Statistik auf. Alleine im Kanton Basel-Stadt sind Ende 1999 über 4 500 arbeitsfähige und arbeitswillige Menschen bei der Fürsorge gemeldet. Die Aufwendungen der Fürsorge Basel-Stadt haben sich seit Beginn der Krise 1991 versechsfacht. Untersucht man die Stelleninserate im Bereich der Güterproduktion, so sieht man schnell, wie wenig Stellen in diesem Bereich tatsächlich zur Verfügung stehen. Arbeitskräftemangel besteht tatsächlich beim oberen Management und in der Informatik.

Der Problemdruck der Langzeitarbeitslosigkeit hat längst auch die Schweiz erfasst. Bei der Beratung der Arbeitslosen stellen wir fest, dass sich das Bild des Aufschwunges für die weiterhin von Erwerbslosigkeit Betroffenen fatal auswirkt. Das Gefühl des Versagens schlägt sich auf die Gesundheit nieder, was wiederum den persönlichen Eindruck bei der Stellensuche verschlechtert und die Aussicht auf eine neue Stelle vermindert.

Die Kontaktstelle hat im vergangenen Jahr in verschiedenen Initiativen mitgearbeitet und solche mitinitiert, um Bewältigungsstrategien gegen die Abwärtsspirale zu entwickeln. Dieses Thema wird die Kontaktstelle auch in den nächsten Jahren zentral betreffen. Der ständige und intensive Umgang mit Menschen in solchen prekären Situationen veranlasste uns, eine ständige Supervision für die BeraterInnen einzurichten.

 

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