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Nationalfonds-Studie über ausländische ArbeitnehmerInnen in der Schweiz

"Systematische Benachteiligung"


Auf der einen Seite der Ruf nach „Integration“, auf der anderen Seite die Realität von Abschreckung und Ausgrenzung: MigrantInnen werden in der Schweiz „systematisch benachteiligt“, stellt eine Studie des Nationalfonds fest. Krasse Lohnunterschiede zeigen sich selbst zwischen den verschiedenen Aufenthaltskategorien und Nationalitäten.


1,5 Millionen "AusländerInnen" leben neben 5,7 SchweizerInnen in der Schweiz. AusländerInnen sind häufiger erwerbstätig als die Einheimischen und tragen dadurch überproportional zum Bruttoinlandprodukt oder der AHV bei. Doch politisch besteht neben einer beobachtbaren Intensivierung der Integrationsbemühungen gegenläufig auch die Tendenz zu "neuen Formen der Ausgrenzung", wie es sie zuvor nicht gegeben habe. Dies das Fazit einer gewichtigen Studie des Schweizerischen Nationalfonds [1].

Zu den "systematischen Benachteiligungen" von AusländerInnen in der Schweiz gehört die Lohndiskriminierung. Die Forschungsgruppe um den Soziologen Yves Flückiger (Universität Genf) stellte zum Teil krasse "Lohnstrafen" für die Angehörigen verschiedener Aufenthaltsklassen und Nationalitäten fest:

SchweizerInnen verdienten 1996 im gewichteteten Durchschnitt 5834 Franken im Monat; GrenzgängerInnen kamen diesem Wert mit 5’105 Franken im Monat am Nächsten; Personen mit einer Niederlassungsbewilligung verdienten fast 1000 Franken weniger (4’991 Fr.), JahresaufenthalterInnen im Durchschnitt 4’751 Fr., Saisonniers noch 3’672 Franken im Monat.

Diese "systematische Lohndiskriminierung, die direkt an den Aufenthaltsstatus gebunden ist", hält der Nationalfonds fest, ist am grössten bei AsylberwerberInnen, die eine "Lohnstrafe" von bis zu 45 Prozent hinnehmen müssen. Aus ihren Untersuchungen ziehen die ForscherInnen den Schluss, "dass Asylsuchende - heute in einigen Branchen bereits unentbehrlich - zunehmend in die Position der einstigen Gastarbeiter rutschen und wie jene als Konjunkturpuffer dienen".

Doch auch die Herkunft spielt eine grosse Rolle: Menschen aus Ex-Jugoslawien sind stark in den Niedriglohnbereich abgedrängt, und Personen afrikanischer Herkunft erleiden mit rund 40 Prozent die höchste "Lohnstrafe" von allen ethnischen Gruppen. Und in allen Gruppen stehen wiederum die Frauen zu unterst auf der Lohnleiter und der wirtschaftlichen Hackordnung. Die Nichtanerkennung von Ausbildungen und Diplomen stellt ein weiteres Hindernis für ein höheres Einkommen für ImmigrantInnen dar. Sie drückt sich vor allem in dem Umstand aus, dass die Wirtschaft stark zugunsten der SchweizerInnen hierarchisiert ist. Die Aufstiegschancen für Nicht-SchweizerInnen - sofern sie nicht zur privilegierten Gruppe von Kadern aus EU-Staaten gehören - sind stark eingeschränkt.

Auch für Angehörige der 2. Einwanderer-Generation: Während eine Studie von Claudio Bolzmann und anderen bei den "Secondas und Secondos" den hohen Integrationsgrad und Ausbildungsstand hervorhebt, betont die Flückiger-Gruppe, dass Secondas und Secondos beim Lohn ebenfalls ungleich behandelt werden: Sie verdienen - bei gleicher Qualifikation - im Schnitt 15,3 Prozent weniger als ihre Schweizer KollegInnen.

"Die Wirtschaft holt sich weniger qualifizierte Arbeitskräfte aus der 2. Generation", erklärt Rebekka Ehret, Lehrbeauftragte für Migration an der Universität Basel, dieses Phänomen. "In der Schule wird wieder eine Klasse von Arbeitskräften ausgebildet, die weniger gut qualifiziert ist."

Die Wicker-Studie macht deutlich, "dass die ‘neuen’ Zuwanderer fast ausschliesslich im Niedriglohnbereich beschäftigt werden und für einzelne Branchen (Gast- und Reinigungsgewerbe, Spital- und Heimbereich) bereits unentbehrlich sind." Sie leben sozial von Einheimischen und Integrierten abgegrenzt und bilden so eine "neue Unterschicht" ohne politische Mitsprache und Vertretung.

Manfred Reist

 



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