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Jahresbericht 2003

Inhaltsverzeichnis

Ausgesteuert?! - Beitrag von R. Maegli
Jahresbericht 2003 - Einleitung
Der Jahresbericht 2003 als pdf-file

Jahresbericht 2003 - Mit einem Beitrag von Rolf Maegli, Vorsteher der Sozialhilfe der Stadt Basel

Ausgesteuert?! - Beitrag von R. Maegli

Unter diesem Stichwort wird die Situation derjenigen Menschen bezeichnet, die durch alle sozialen Sicherheitsnetze durchgefallen sind und letztlich bei der Sozialhilfe "landen". Das Thema hat gerade angesichts der Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes von Mitte Jahr an Brisanz gewonnen. Die Verkürzung der Bezugsberechtigung hat zu Bedenken geführt, dass viele Menschen neu in die Sozialhilfe abgedrängt werden. Die Befürchtungen haben sich in diesem Ausmass nicht bestätigt. Hingegen ist generell festzustellen, dass die Anzahl der Personen, die Sozialhilfe beziehen, in bedenklichem Ausmass zugenommen hat.

Von August 2002 bis Dezember 2003 ist die Anzahl der Sozialhilfefälle um rund 26% gestiegen, im Jahr 2003 waren es 20%. Hauptgrund für die Zunahme ist nach unseren Erfassungen eindeutig Arbeitslosigkeit und ungenügendes Einkommen. Neben Langzeitarbeitslosen beobachten wir vermehrt auch das Phänomen von jungen Erwachsenen, die den Einstieg in das Arbeitsleben überhaupt noch nicht geschafft haben oder schon kurz nach ersten Anfängen gescheitert sind. Es macht allen Anschein, dass immer weniger Menschen den Anforderungen der Arbeitgeber genügen können. In den meisten Fällen treffen wir die Klientinnen und Klienten beim ersten Kontakt auf der Sozialhilfe in mehrfach schwierigen Situationen vor. Oft suchen die Menschen, die sich in existenziellen Stresssituationen befinden, zu spät Rat und Hilfe. Neben den fehlenden finanziellen Mitteln sind es auch familiäre, gesundheitliche Probleme und Schwierigkeiten mit dem Selbstwertgefühl, welche in die Sozialhilfe führen. Wer jahrelang Absagen erhält oder als junger Mensch den Einstieg in den Arbeitsmarkt trotz mehrfachen Bemühungen nicht schafft, zweifelt naturgemäss an sich selber. Das Bestreben, es möglichst gut zu machen, führt dann oft zu unrealistischen Anforderungen an sich selbst. Eine der Erfahrungen unserer Partner für Arbeit und Integration ist es denn auch, dass die Menschen in den Standortbestimmungskursen vorerst einmal eine realistische Sichtweise ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten bekommen müssen. Vielfach ist auch gestützt auf konkrete Erfahrungen ein Misstrauen gegenüber Verwaltungen, öffentlicher Diensten und Amtsstellen festzustellen.

Was kann oder sollte eine Person bei der Kontaktnahme mit der Sozialhilfe tun? Die erste Empfehlung ist banal: nicht zu lange warten, bis sich die Probleme unüberwindbar aufgetürmt haben! Wichtig sind zudem Offenheit und Vertrauen. Die Situation sollte möglichst umfassend dargestellt werden. Hilfreich ist es, wenn die eigenen Möglichkeiten überdacht werden, wie die Situation verbessert werden kann. Das Beziehungsnetz und die bisherigen Erfahrungen liefern oft Ansatzpunkte, wie weiter vorzugehen ist.

Was kann die Sozialhilfe nun konkret tun? Oder anders gefragt: Was sollte sie tun? Denn angesichts der Fallbelastung kann längstens nicht mehr von einer Sozialberatung im Sinne des Gesetzes die Rede sein. Es sind zwei Hauptbereiche und Ansatzpunkte: Erstens wird die Sozialberaterin oder der Sozialberater versuchen, eine Beziehung zur Hilfe suchenden Person aufzubauen mit dem Ziel, die Motivation zu steigern und eine Aktivierung in Gang zu setzen. Zweitens ist es Aufgabe der Sozialhilfe, die Beziehung zum Netzwerk von sozialen Diensten zu gestalten.

Bei Motivation und Aktivierung geht es darum, dass die Menschen befähigt werden, ihre eigenen Lebensumstände und Aufgaben bewältigen zu können. Das fängt an beim Bezahlen von Rechnungen, der Übersicht in persönlichen finanziellen Angelegenheiten und dem Aufsuchen von ergänzenden Beratungs- und Hilfestellen bei speziellen Fragen. Die Sozialarbeit muss das Umfeld und die sozialen Beziehungsnetze der betreffenden Person erfassen und mit der Zeit eine Vertrauensbeziehung aufbauen, in der die Aussprache über heikle Themen möglich wird. Diese Beziehungsarbeit ist auch durch einen paradoxen Auftrag geprägt: einerseits soll geholfen und gefördert werden, andererseits müssen zum Teil auch Eingriffe und Einschränkungen vorgenommen werden. Die Geldmittel sind beschränkt und bei Unterlassen von Eigenbemühungen müssen Kürzungen verfügt werden.

Der zweite Bereich ist die Gestaltung der Beziehungen zum sozialen Netzwerk. Die Sozialhilfe kann zum Beispiel den Eintritt in Motivations- und Integrationsprogramme vermitteln, eine Aus- oder Weiterbildung finanzieren helfen, die Schuldensanierung einleiten, Kontaktnahme mit Gläubigern aufnehmen, Wohnsituationen sanieren, Bürgschaften vermitteln etc.

Diese Ziele einer umfassenden Sozialarbeit nach der Case Management Methode können beim heutigen Fall- und Personalbestand nicht mehr in allen Fällen erreicht werden. Es ist Aufgabe der Sozialhilfe, ihre Kräfte dort einzusetzen, wo ein Entwicklungspotential besteht. Die weiteren Aussichten sind düster. Die Wirtschaftsprognosen sagen zwar Besserung voraus, dies aber ohne arbeitsmarktliche Auswirkungen. In der Politik deuten die Zeichen auch eher auf Abbau und Restriktion. Umso wichtiger ist der Zusammenschluss der Dienste und Unternehmen, die im Sozialbereich tätig sind. In Basel haben sich diese Bemühungen unter dem Stichwort "interinstitutionelle Zusammenarbeit IIZ" institutionalisiert. Es darf festgestellt werden, dass die Zusammenarbeit zwischen Sozialhilfe, Arbeitslosenversicherung, Invalidenversicherung, ergänzenden Sozialdiensten und Berufsbildung besser geworden ist. Dieser Weg soll weiter beschritten werden.

Jahresbericht 2003 - Einleitung

2003 war für die Stellensuchenden erneut ein schwieriges Jahr. Nicht nur die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen wächst, auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen nimmt zu, sowie die Zahl jener, die nach der Aussteuerung durch die Versicherung auf die Unterstützung durch die Sozialhilfe angewiesen sind. Es ist kein Zufall, dass wir den Vorsteher der Sozialhilfe der Stadt Basel, Herrn Maegli, um ein begleitendes Wort zu unserem Jahresbericht gebeten haben. Es ist für jeden Menschen eine tiefgreifende und schmerzhafte Erfahrung sich bei der Sozialhilfe anmelden zu müssen ? und noch nie mussten wir so viele Menschen auf diesem Weg begleiten wie im vergangenen Jahr.

Aber auch eine "versicherte" Arbeitslosigkeit wirft für die Betroffenen unzählige Fragen auf. Gerade in einem Jahr, in welchem die gesetzliche Grundlage der Arbeitslosenversicherung wichtige Änderungen erfuhr und die Arbeitslosenzahlen wieder massiv anstiegen, klingelt das Arbeitslosentelefon besonders häufig. Neben den Telefonkontakten erreichen uns viele Betroffene über die Homepage. Eine grosse Zahl von Ratsuchenden lernen wir aber persönlich kennen. Dass alle Betroffenen unbürokratisch und schnell ihr Anliegen besprechen können, ist wohl eine der wichtigsten Qualitäten unserer Stelle ? zusammen mit der Tatsache, dass wir unabhängig vom Rahmen, den die Versicherung setzt, die Erwerbslosen im Umsetzen ihrer Ziele begleiten können.

Das vergangene Jahr war für die Kontaktstelle für Arbeitslose ein sehr arbeitsreiches Jahr, das uns manchmal an die Grenzen der Überlastung führte. Dass wir unsere Arbeit im Dienste der Arbeitslosen trotzdem leisten konnten, lag nicht zuletzt daran, dass wir aufgrund von grosszügigen Stiftungsgeldern auf eine zwar bescheidene, aber stabile finazielle Basis bauen konnten.

2004 wird die Kontaktstelle ihr 20-jähriges Jubiläum feiern. Wir sind stolz darauf, dass sich aus der kleinen Selbsthilfeinitiative eine Stelle entwickeln konnte, die konstant und konstruktiv arbeitet. Wir danken all jenen Menschen, die im Verlaufe der Jahre als engagierte Betroffene, als Fürsprechende oder als beides zugleich, am Gelingen dieses Unternehmens mitgewirkt haben.

Das Team der Kontaktstelle für Arbeitslose Februar 2004

Der Jahresbericht 2003 als pdf-file

Den kompletten Jahresbericht, mit der Jahresrechnung, dem Budget, der Beratungsstatistik, dem Beratungsbericht, dem Projektebericht sowie einem Überblick mit Hintergrundinformationen und Studien zur Erwerbslosigkeit können Sie bei uns bestellen, oder direkt hier als pdf-file herunterladen.

 

Jahresbericht 2003
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